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Simon Pollock
Senior AI Account Manager & Strategy Advisor, Retresco
KI-Chatbots verändern die Art und Weise, wie Nutzer:innen mit digitalen Informationsangeboten interagieren. Statt Menüs, Suchschlitze, Artikellisten oder Themenrubriken zu durchforsten, können sie inzwischen individuelle Fragen stellen, Inhalte kontextbezogen erschließen und in einen schrittweisen Dialog treten. Für Medienhäuser, Verlage und Fachmedien entsteht damit eine neue Form der Nutzerbeziehung: direkter, dialogischer und stärker an konkreten Informationsbedürfnissen orientiert.
Solche Interaktionslogiken entstehen jedoch nicht automatisch. Viele Nutzer:innen müssen erst lernen, wie sich dialogische Angebote sinnvoll nutzen lassen. Genau hier kommen Starterfragen ins Spiel. Sie senken initiale Hemmschwellen, machen Nutzungsmöglichkeiten sichtbar und zeigen, welches Themenspektrum ein KI-Chatbot abdeckt.
Starterfragen (im UX-Design auch als Prompts, Einstiegsfragen oder Quick Replies bezeichnet) sind vordefinierte Fragen oder Antwortoptionen innerhalb eines KI-Chatbots oder bei vergleichbaren Interaktivangeboten. Sie dienen als Eisbrecher und nehmen der Nutzerschaft die Hürde des „leeren Textfelds“. Richtig eingesetzt, sind Starterfragen weit mehr als ein reines UX-Element:
Sie sind ein strategisches Instrument, um Akzeptanz, Nutzungstiefe und Interaktion mit KI-basierten Informationsangeboten nachhaltig zu erhöhen. Wer Introfragen strategisch einsetzt, verbessert nicht nur die User Experience, sondern stärkt eigene Angebote und Plattformen als zentrale Orte für verlässliche Information.
Die zunehmende Verlagerung von Suche und Informationszugängen in geschlossene Ökosysteme von Google und Co. stellt gerade Medienhäuser und Verlage vor eine strategische Herausforderung. Wenn Nutzer:innen Informationen immer häufiger direkt über externe Plattformen erhalten, geraten die direkten Beziehungen zwischen Medium und Nutzer:innen unter Druck. Zugleich sinkt die Sichtbarkeit eigener Inhalte. Eigene KI-Chatbots und Interaktivangebote helfen dabei, dieser Entwicklung gezielt entgegenzuwirken.
Interaktive Informationsangebote ermöglichen es Medienhäusern und Verlagen, ihre Inhalte auf den eigenen Plattformen dialogisch bereitzustellen. Nutzer:innen müssen ihre Informationssuche nicht mehr zwangsläufig über Suchmaschinen, externe KI-Suchen oder Social Media beginnen, sondern können direkt mit dem Angebot des Medienhauses interagieren. Starterfragen sind dabei ein wichtiger Hebel. Sie führen Nutzer:innen gezielt an eigene Inhalte heran, machen redaktionelle Kompetenz sichtbar und erleichtern den Einstieg in eine regelmäßige Interaktion.
Einstiegsfragen sind vorformulierte Fragestellungen oder Impulse, die Nutzer:innen direkt im Chat-Interface angezeigt bekommen. Solche Fragen können allgemein gehalten sein, etwa „Was sind die wichtigsten Nachrichten des Tages?“ oder spezifisch auf ein Thema, Ressort, Dossier oder Angebot ausgerichtet werden. In einem regionalen oder lokalen Medienumfeld können sie etwa lauten: „Welche Entscheidungen betreffen meine Region?“ oder „Was gibt es Neues zu Verkehr und Baustellen in meiner Stadt?“. In Fachverlagen sind typische Einstiegsfragen: „Welche neuen Regelungen sind für mein Unternehmen relevant?“ oder „Fasse mir die wichtigsten Entwicklungen zu diesem Thema zusammen“.
Der eigentliche Wert solcher Starterfragen liegt darin, dass sie Nutzer:innen Orientierung geben. Denn ein leerer Chatbot-Einstieg kann schnell überfordern. Wer nicht weiß, welche Fragen möglich sind, stellt im Zweifel gar keine. Introfragen vermitteln dagegen unmittelbar, wofür ein interaktives Angebot steht. Sie zeigen konkrete Anwendungsfälle, inspirieren zur Nutzung und vermitteln ein erstes Gefühl dafür, was ein KI-Chatbot thematisch kann.
Gerade bei neuen interaktiven Informationsangeboten ist dieser Effekt entscheidend. Nutzer:innen sind zwar zunehmend mit KI-Systemen vertraut, aber nicht jedes Publikum überträgt diese Erfahrung automatisch auf journalistische oder fachliche Angebote. Ein Chatbot auf einem Medienportal, in einem Fachinformationssystem oder auf einer Serviceplattform braucht deshalb einen einfachen und nachvollziehbaren Einstieg. Starterfragen helfen, diesen ersten Schritt niedrigschwellig zu organisieren.
Unsere eigenen Kundenanalysen zeigen: Das Nutzerverhalten im Umgang mit KI-Chatbots und interaktiven Informationsangeboten verändert sich im Zeitverlauf deutlich. Zu Beginn greifen viele Nutzer:innen vor allem auf die angebotenen Starterfragen zurück. Sie nutzen diese als sicheren Einstieg, um das Angebot kennenzulernen und erste Erfahrungen mit einer dialogischen Suche oder der interaktiven Informationsabfrage zu sammeln.
Einstiegsfragen fördern die Akzeptanz von KI-Chatbots und interaktiven Angeboten im Zeitverlauf (Retresco Kundenanalyse)
Mit zunehmender Vertrautheit steigt der Anteil selbst formulierter Fragen deutlich. Nutzer:innen beginnen, ihre eigenen Informationsbedürfnisse präziser zu artikulieren, Nachfragen zu stellen und Interaktivangebote aktiv in ihre Recherche- oder Entscheidungsprozesse einzubinden. Aus der anfänglichen Nutzung vorgegebener Impulse entwickelt sich schrittweise ein eigenständigerer Umgang mit dem interaktiven Angebot.
Das ist ein wichtiger Befund für Medienhäuser und Verlage. Denn er zeigt: Introfragen ersetzen nicht die freie Interaktion, sondern stoßen sie erst so richtig an. Starterfragen sind kein statisches Korsett, sondern ein Trainingsraum für die dialogische Nutzung. Nutzer:innen lernen anhand konkreter Beispiele, welche Art von Fragen sinnvoll sind, was belastbare Antworten ausmacht und wie Folgefragen für inhaltliche Tiefe sorgen.
Ein weiterer zentraler Effekt zeigt sich in der Entwicklung der Dialogtiefe. Je länger ein Chatangebot auf einem Medienportal oder einer digitalen Plattform eingebunden ist, desto stärker nimmt die Anzahl der Fragen pro Interaktion zu. Nutzer:innen stellen nicht mehr nur einzelne, punktuelle Fragen, sondern treten schrittweise in einen mehrstufigen Austausch ein.
Das ist für Medienhäuser strategisch wichtig. Denn ein einzelner Suchvorgang oder eine isolierte Frage erzeugt nur begrenzte Interaktion. Mehrstufige Dialoge erhöhen dagegen die Nutzungstiefe. Nutzer:innen bleiben länger im Angebot, verfeinern ihre Anliegen, stellen Anschlussfragen und erschließen Inhalte kontextbezogen. Aus einer einfachen Informationsabfrage wird eine interaktive User Journey.
Gerade bei vielschichtigen Themen ist dies entscheidend. Wer sich über politische Entscheidungen, lokale Entwicklungen, wirtschaftliche Trends, Gesundheitsthemen, rechtliche Fragen oder Fachinformationen informiert, hat selten nur eine einzige Frage. Häufig entstehen detailliertere oder neue Informationsbedürfnisse erst im interaktiven Austausch. Eine Antwort führt zur nächsten Frage. Eine Zusammenfassung führt zu einer Detailfrage. Eine Einordnung führt zum Wunsch nach Beispielen, Quellen oder Handlungsmöglichkeiten.
Starterfragen sind besonders wirkungsvoll, wenn sie nicht dauerhaft statisch bleiben. Regelmäßig aktualisierte oder dynamisch generierte Einstiegsfragen können die Chatbot-Nutzung dauerhaft erhöhen, weil sie immer wieder neue Anlässe zur Interaktion schaffen. Sie greifen aktuelle Themen auf, führen zu relevanten Inhalten und signalisieren, dass das Angebot lebendig, redaktionell gepflegt und nah an den Informationsbedürfnissen der Nutzer:innen ist. Das gilt besonders dann, wenn Medienhäuser oder Verlage ihre Interaktivangebote durch gezielte Marketing-Maßnahmen kontinuierlich neue Nutzer:innen an diese Angebote heranführen.
Für Medienhäuser und Verlage bedeutet das: Starterfragen sollten nicht einmalig definiert und anschließend unverändert im Chat-Interface belassen werden. Vielmehr sollten sie Teil laufender redaktioneller und produktstrategischer Prozesse sein.
Gerade im Medienumfeld entfalten Starterfragen ihren größten Wert dort, wo Nutzer:innen Orientierung in vielschichtigen Informationsräumen suchen: in regionalen Nachrichtenangeboten, großen Artikelarchiven, Themendossiers oder interaktiven Antwortsystemen auf Basis eigener Inhalte. Ein regionales Medienhaus kann Starterfragen nutzen, um lokale Relevanz sichtbar zu machen. Relevante Einstiegsfragen übersetzen redaktionelle Inhalte in konkrete Alltagssituationen und erleichtern den Zugang zu relevanten Informationen.
Auch Fachmedien profitieren von dynamisch gepflegten Einstiegsfragen. Sie können neue gesetzliche Vorgaben, Branchentrends, Marktanalysen, Kommentare, Fachartikel, Normen oder Datenbankinhalte in gezielte Frageimpulse überführen. B2B-Nutzer:innen müssen nicht erst eine abstrakte Suche formulieren, sondern können direkt mit arbeitsnahen Fragen einsteigen. Dadurch werden Fachinformationen nicht nur auffindbar, sondern unmittelbar im konkreten Arbeitskontext nutzbar.
Aktuelle Nachrichtenlagen, saisonale Themen, regionale Ereignisse, neue Dossiers, Themenschwerpunkte oder häufige Nutzerfragen können regelmäßig in neue Einstiegsimpulse übertragen werden. Special-Interest-Angebote wiederum können Introfragen an saisonale Interessen, Kaufentscheidungen oder wiederkehrende Beratungsbedarfe anpassen. Dadurch entstehen vermehrte Einstiegspunkte, die bestehende Inhalte neu aktivieren und Nutzer:innen regelmäßig zu relevanten Themenräumen leiten.
Besonders deutlich zeigt sich der Nutzen in sensiblen und wissensintensiven Bereichen wie Medizin, Pharmazie, Recht, Steuern oder Compliance. Hier können Starterfragen dazu beitragen, geprüfte Inhalte kontrolliert, verständlich und kontextbezogen zugänglich zu machen.
Entscheidend ist dabei, dass KI-Chatbots auf verlässlichen Quellen, eindeutigen Referenzen und fachlich geprüften Inhalten basieren – idealerweise auf verlagsinternen Inhalten sowie auf agentisch bereitgestellten Informationen aus belastbaren externen Datenquellen.
Der Erfolg von Starterfragen hängt nicht nur von ihrer Formulierung ab. Entscheidend ist, dass sie an der Schnittstelle von Nutzerführung, redaktioneller Kompetenz und strategischer Zielsetzung entwickelt werden. Relevante Introfragen beantworten nicht nur die Frage: „Was kann der Chatbot?“ Sie beantworten vor allem: „Welche Informationsbedürfnisse hat unsere Nutzerschaft – und wie führen wir sie sinnvoll in unser Angebot?“
Deshalb sollten Einstiegsfragen mehrere Funktionen erfüllen:
Für Medienhäuser und Verlage ist das entscheidend: Ihre Stärke liegt nicht allein in der Technologie, sondern vor allem in belastbaren Inhalten, redaktioneller Einordnung und fachlicher Kompetenz. KI-Chatbots entfalten ihren eigentlichen Wert, wenn sie geprüfte und relevante Inhalte dialogisch zugänglich machen.
Analysen von Starterfragen und Chat-Verläufen liefern wertvolle Insights für Produktentwicklung, Redaktion und Audience Development. Sie zeigen, welche Einstiegsfragen besonders häufig genutzt werden, bei welchen Themen mehrstufige Dialoge entstehen, welche Inhalte viele Folgefragen auslösen und in welchen Themenbereichen Nutzer:innen schnell eigene Fragen entwickeln.
Solche Einblicke machen sichtbar, welche Informationsbedürfnisse tatsächlich bestehen. Sie helfen dabei, Themenprioritäten zu erkennen, Inhalte besser zu strukturieren, neue Themendossiers zu planen und laufende Angebote nutzerorientiert weiterzuentwickeln.
Ausschlaggebend ist die Chatbot-Nutzung im Zeitverlauf: Wenn der Anteil selbst formulierter Fragen steigt und zugleich die Anzahl der Fragen pro Interaktion zunimmt, deutet dies auf eine wachsende Vertrautheit und eine höhere Nutzungskompetenz hin. Nutzer:innen lernen, das Interaktivangebot nicht nur auszuprobieren, sondern dieses produktiv in ihre Informationsroutinen zu integrieren.
Damit dieses Potenzial voll ausgeschöpft werden kann, müssen Starterfragen redaktionell gepflegt und kontinuierlich optimiert werden. Sie sollten zur aktuellen Nachrichtenlage, zur Zielgruppe und zum jeweiligen Angebot passen. Entscheidend ist, sie regelmäßig zu überprüfen, gezielt auszutauschen und anhand von Nutzungsdaten zu entwickeln.
Wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit von Redaktion, Produkt, Audience Development und Technologie. Die Redaktion kennt Themen, Relevanz und Tonalität. Produktteams verstehen Nutzerführung und Interface-Logik. Datenanalysen zeigen, welche Fragen tatsächlich funktionieren. Technologiepartner können helfen, Starterfragen sinnvoll in Chatbot-Angebote, Wissensdatenbanken und Retrieval-Prozesse einzubinden.
Starterfragen sind im deutschen Medien- und Fachverlagsumfeld bereits angekommen. Die folgenden fünf Beispiele zeigen, wie gelungene Introfragen in der Praxis eingesetzt werden – von Nachrichten- und Regionalangeboten bis hin zu Fachmedien und Special-Interest-Plattformen.
Ein prominentes Beispiel für Starterfragen aus einem journalistischen Umfeld ist der KI-Chatbot WELTgo! von Axel Springer. Inhaltlich liegt der Fokus dabei auf Produktsuchen und der aktuellen Nachrichtenlage.
Starterfragen bei WELTgo! mit Fokus auf Produktsuche und aktuelle News
Der strategische Mehrwert: Starterfragen präsentieren ein neues KI-Angebot nicht als abstrakte Technologie, sondern als konkreten Informationsassistenten auf Basis eigener journalistischer Inhalte.
Die Neue Pressegesellschaft (NPG) bietet ihren Abonnent:innen in den mobilen Apps von Südwest Presse, Märkischer Oderzeitung und Lausitzer Rundschau die KI-Funktion „Frag Mich“. Nutzer:innen können Inhalte vertiefen, Verständnisfragen stellen und sich Zusammenhänge erklären lassen. Das senkt die Hemmschwelle für die Nutzung und erhöht die Verweildauer.
Einstiegsfragen mit Regionalbezug in den Apps der Südwest Presse und der Märkischen Oderzeitung
Regional ausgerichtete Starterfragen aktivieren die Nutzerschaft im jeweiligen Fragekontext und werten News-Apps auf. Dadurch werden dialogisch bereitgestellte Inhalte zum Ausgangspunkt für weiterführende Interaktionen.
Beim KI-basierten Gastro-Ratgeber „Yummy“ der Rheinischen Post zeigen Starterfragen, wie sich lokale Empfehlungen einfach und effektiv durch KI-Chatbots zugänglich machen lassen. Statt Nutzer:innen mit einer offenen Suche zu überfordern, bieten konkrete Einstiegsfragen unmittelbare Orientierung und Inspiration für kulinarische Restauranttipps in Düsseldorf und Umgebung.
Beim Gastro-Ratgeber der Rheinischen Post führen typische Einstiegsfragen zu lokalen Restauranttipps
Die Introfragen greifen typische Nutzungssituationen auf, machen das Angebot sofort verständlich und laden dazu ein, eigene Fragen zur Gastronomie zu stellen. Für Medienhäuser ist das ein gutes Beispiel dafür, wie lokale Inhalte, Empfehlungen und Servicejournalismus dialogisch nutzbar werden.
Bei der Pharmazeutischen Zeitung von Avoxa (Mediengruppe Deutscher Apotheker) können Apotheker:innen, PTA sowie vergleichbare Fachnutzer:innen Fragen zu pharmazeutischen Sachverhalten sowie zu aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen stellen. Die Antworten basieren auf geprüften redaktionellen Inhalten und verweisen auf relevante Originalartikel.
Exemplarische Introfragen der Pharmazeutischen Zeitung vereinfachen den dialogischen Zugang zu pharmazeutischem Fachwissen
Die Starterfragen übernehmen dabei eine wichtige Brückenfunktion: Sie machen sichtbar, welche Themen der Chatbot abdeckt, senken die Einstiegshürde und führen Nutzer:innen direkt zu relevanten Informationen.
Bei enerQ vom B2B-Medienhaus energate zeigen Starterfragen sehr anschaulich, wie sich ein fachliches Angebot zu Energiethemen niedrigschwellig erschließen lässt. Statt Nutzer:innen mit einem leeren Eingabefeld allein zu lassen, bieten konkrete Einstiegsfragen Orientierung, machen relevante Themen sichtbar und erleichtern den direkten Einstieg in die Recherche.
Bei enerQ von energate führen Einstiegsfragen direkt zu den relevanten Energiethemen
Gerade im Fachmedienumfeld sind Starterfragen ein wichtiger UX- und Produkthebel: Sie machen auf den ersten Blick sichtbar, welche Themen das KI-Angebot abdeckt. Der energate-Wissenspool wird dadurch in konkrete Fragen übersetzt und Nutzer:innen erhalten einen schnellen, niedrigschwelligen Einstieg in komplexe Energiethemen.
Hast du Feedback, Anmerkungen oder Fragen? Sprich uns an – unsere KI-Expert:innen melden sich gerne bei dir!