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Simon Pollock
Senior AI Account & Strategy Advisor
Die aktuelle Fachpresse-Statistik des Branchenverbands Deutsche Fachpresse liefert ein klares Signal an Entscheider in Fachmedien: Die Branche wächst wieder – und zwar dort, wo Zukunft gestaltet wird.
Nach einem rückläufigen Jahr 2024 konnten Fachmedienhäuser 2025 ein Umsatzplus von 2,5 % erzielen und erreichen damit insgesamt 8,75 Mrd. Euro. In einem wirtschaftlich angespannten Umfeld ist das mehr als nur ein Achtungserfolg – es ist ein Beleg für die Resilienz und Anpassungsfähigkeit der Branche.
Der eigentliche Wachstumstreiber? Eine konsequente Digitalstrategie und flächendeckender Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Dank meiner Arbeit mit Fachverlagen sehe ich allerdings, dass sich hinter der Aussage “KI ist überall im Einsatz” oft sehr unterschiedliche Realitäten verbergen. Zwischen einer ChatGPT-Lizenz in der Redaktion und einem KI-gestützten Produkt, für das Kunden zahlen, liegen Welten. Und dort entscheidet sich, wer von der nächsten Phase profitiert.
Während der Gesamtmarkt moderat wächst, legt das Digitalgeschäft mit +7,0 % deutlich zu. Mit einem Umsatz von 4,2 Mrd. Euro machen digitale Erlöse inzwischen 48 % des Gesamtmarktes aus – Tendenz steigend.
Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere das digitale Vertriebsgeschäft mit einem Plus von 6,8 %, die digitale Werbung, die um 7,7 % zulegen konnte, sowie Datenbankprodukte, die mit einem Wachstum von 9,2 % besonders dynamisch sind.
Digitale Fachmedien bleiben Wachstumsmotor – getrieben durch Digitalprodukte und steigende Erlöse (Deutsche Fachpresse)
Für Fachverlage bedeutet das: Die Digitale Transformation B2B-Medien ist längst keine strategische Option mehr, sondern operativer Standard. Traditionelle Erlösmodelle werden zunehmend durch skalierbare, datengetriebene Angebote ergänzt. Der Wandel hin zu wiederkehrenden Umsätzen – etwa durch Subscriptions, Plattformmodelle oder datenbasierte Services – ist in vollem Gange.
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist in Fachverlagen inzwischen flächendeckend etabliert: Alle befragten Häuser setzen generative KI ein. Besonders verbreitet sind dabei Standardlösungen, die von 79 % der Verlage genutzt werden.
Zugleich zeigt sich eine zunehmende Differenzierung in der Anwendung: 58 % greifen auf spezielle KI-Toolboxen zurück, während jeweils 54 % spezialisierte Tools einsetzen oder sogar eigene KI-Modelle entwickeln. Ebenso hoch ist der Anteil der Verlage, die KI bereits in ihre eigenen Systeme integriert haben (58 %).
KI ist in Fachverlagen angekommen – zunehmend mit individuellen Lösungen und integriert in eigene Systeme (Deutsche Fachpresse)
Im Jahresvergleich ist damit sowohl die Nutzung spezialisierter Lösungen als auch die Integrationstiefe gestiegen. Während etwa jeder fünfte Verlag ausschließlich auf Standardlösungen setzt und ein ähnlich großer Anteil bereits das gesamte Spektrum an KI-Technologien nutzt, verfolgt die Mehrheit einen hybriden Ansatz. Fachverlage kombinieren Standardlösungen mit individuellen Tools und schaffen so die Grundlage für effizientere Prozesse und zunehmend differenzierte, KI-gestützte Produkte.
Ein Beispiel aus unserer Praxis: Bei einem Fachverlag im Pharma-Umfeld nutzen Leser:innen eine dialogbasierte Question & Answering-Lösung als Wissensnavigator, um gezielt durch ein über Jahre gewachsenes Archiv von Fortbildungs- und Fachinhalten zu navigieren. Was vorher klassische Volltextsuche war, wird so zu einem Service, der Verweildauer und Kundenbindung messbar erhöht. Nebenbei zeigt sich, an welchen Stellen Inhalte fehlen, die die Redaktion gezielt nachliefern kann. Genau diese Art der Tiefe ist es, die aus KI-Nutzung echten Kundennutzen und damit auch Kundenbindung macht.
Für Fachverlage geht es damit nicht mehr darum, ob KI eingesetzt wird, sondern wie tief sie integriert ist. Genau hier entscheidet sich, ob KI lediglich Effizienzgewinne bringt – oder neue Geschäftsmodelle ermöglicht.
Mit der technologischen Entwicklung steigt auch der Wettbewerbsdruck: 54 % der Befragten erwarten, dass Digitalisierung und Künstliche Intelligenz den Markteintritt neuer Wettbewerber erleichtern und die Konkurrenz intensivieren.
Gerade für etablierte Fachmedien bedeutet das:
Die gute Nachricht: Fast zwei Drittel der Unternehmen rechnen dennoch mit stabilen oder steigenden Ergebnissen. Die Branche ist also nicht nur unter Druck – sie sieht sich auch gut aufgestellt.
Der Ausblick auf das Jahr 2026 fällt verhalten optimistisch aus. 39 % der Fachverlage erwarten eine positive Geschäftsentwicklung, während 26 % von stabilen Rahmenbedingungen ausgehen.
Als größte Herausforderungen nennen die Befragten weiterhin vor allem geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten, die mit 79 % deutlich dominieren. Dahinter folgen mit 67 % die Gewinnung neuer Kunden sowie die Entwicklung innovativer Produkte und Geschäftsmodelle.
Zugleich zeigt sich ein klarer Wandel: Künstliche Intelligenz wird in Fachmedien zunehmend weniger als Unsicherheitsfaktor und vielmehr als strategisches Werkzeug zur Wertschöpfung verstanden.
Die aktuelle Fachpresse-Statistik zeigt: Fachmedien haben die erste Etappe der Digitalen Transformation B2B-Medien erfolgreich hinter sich gelassen. Digitale Geschäftsmodelle sind etabliert und Künstliche Intelligenz ist im operativen Alltag angekommen.
Doch genau hier beginnt die entscheidende nächste Phase. Wettbewerbsvorteile entstehen künftig vor allem dort, wo KI nicht nur punktuell eingesetzt, sondern tief in Wertschöpfungsprozesse integriert wird, wo datenbasierte Produkte echten Kundennutzen liefern und wo neue, skalierbare Erlösmodelle systematisch aufgebaut werden.
Für Fachverlage bedeutet das eine klare Verschiebung: weg von der reinen Technologieeinführung hin zur konsequenten Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen. Die Digitale Transformation B2B-Medien wird damit zur strategischen Kernaufgabe auf Management-Ebene.
Wer diesen Wandel aktiv gestaltet, steigert nicht nur Effizienz und Produktivität, sondern erschließt zugleich neue Wachstumsfelder in einem zunehmend datengetriebenen Marktumfeld.
Weiterführende Einblicke und konkrete Use Cases für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Fachmedienumfeld findest du hier.
Hast du Fragen, Anmerkungen oder Feedback? Sprich uns an – unsere KI-Expert:innen melden sich gerne bei dir!