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Simon Pollock
Senior AI Account Manager & Strategy Advisor, Retresco
Künstliche Intelligenz verändert den Medienmarkt rasant – doch wie lassen sich daraus nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln? Für Medienhäuser, Fachmedien und Presseverlage spitzt sich eine zentrale Frage zu: Wie gewinnt und bindet man zahlungsbereite Nutzer:innen, wenn Informationen scheinbar überall kostenfrei verfügbar sind?
Zugleich verfügen Verlage über einen kaum kopierbaren Wettbewerbsvorteil: kuratierte, geprüfte Inhalte und langfristig aufgebaute Wissensbestände. Mit Retrieval-Augmented Generation (RAG) lassen sich solche Content-Archive in interaktive Wissensangebote transformieren – und damit neue Geschäftsmodelle für RAG-Chatbots und eine gezielte Vermarktung erschließen.
Solche RAG-basierte Angebote kombinieren die Verlässlichkeit eigener Datenquellen mit der dialogischen Stärke großer Sprachmodelle. Im Unterschied zu generalistischen KI-Systemen wie ChatGPT oder Gemini greifen RAG-Chatbots gezielt auf verifizierte, aktuelle Inhalte aus eigenen Archiven zu und erzeugen darauf basierende Antworten.
Für Medienhäuser, Fachmedien und Presseverlage bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Statt Content lediglich auszuliefern, entstehen KI-gestützte Recherche- und Support-Systeme und Wissensplattformen für Medienhäuser, die echten Mehrwert stiften. Genau hier liegen neue Erlöspotenziale – über herkömmliche Abos-Modelle hinaus.
Im Folgenden gehe ich auf drei Vermarktungsaspekte ein und stelle konkrete Use Cases vor:
Herkömmliche Medienprodukte folgen dem Push-Prinzip. RAG ermöglicht dagegen einen Pull-Ansatz: Nutzer:innen stellen individuelle Fragen und erhalten präzise, kontextualisierte Antworten aus dem gesamten Verlagsbestand.
Ein Praxisbeispiel: Gemeinsam mit Avoxa, der Mediengruppe Deutscher Apotheker, hat Retresco einen KI-basierten Wissensassistenten für medizinisch-pharmazeutische Zielgruppen entwickelt. Das System verknüpft aktuelle Berichterstattung mit über Jahre gewachsenem Fachwissen – realisiert in einer anspruchsvollen RAG-Architektur, bei der eine saubere Content-Pipeline sowie eine präzise inhaltliche Gewichtung entscheidend sind. Das eingesetzte Sprachmodell dient dabei ausschließlich der sprachlichen Aufbereitung der verlagsinternen Inhalte.

RAG-basierte Produktinnovation bei Avoxa durch natürlichsprachige Dialoge und Anschlussfragen (Retresco Case Study)
Solche KI-Lösungen lassen sich als Premium-Produkte vermarkten. Monatspreise von 50 Euro und mehr sind realistisch, wenn der Assistent eine professionelle Recherche ersetzt und messbar Zeit spart.
Ein weiteres Beispiel ist responsis von Soldan: eine RAG-basierte Anwendung für juristische Recherche. Für 69 Euro pro Nutzer:in und Monat erhalten Anwender:innen fundierte Antworten inklusive transparenter Quellenangaben – ein Musterbeispiel für RAG Paid Content im B2B-Umfeld.
Darüber hinaus entstehen Pay-per-Use-Modelle: automatisierte Analysen, individualisierte Texte oder punktuelle Datenabfragen, die einzeln abgerechnet werden. Damit erschließen Medienhäuser, Fachmedien und Presseverlage auch Zielgruppen, die sonst kein klassisches Abo abschließen würden.
RAG bietet zudem ein enormes Potenzial in der Weiterentwicklung bestehender Services. Intelligente Suchen, kontextsensitive Antworten und Zusammenfassungen erzeugen deutlich bessere Nutzererlebnisse – und rechtfertigen höhere Preise.
Besonders interessant sind Chatbots als Erlösquelle. RAG-basierte Systeme beantworten komplexe Fachfragen automatisiert und bilden die Basis für gestaffelte Service-Modelle. Standard-Support wird effizient automatisiert, während Premium-Support mit garantierten Reaktionszeiten und tiefergehender Analyse kostenpflichtig angeboten wird. So entstehen neue Erlöse mit RAG-Chatbots, ohne die Servicekosten zu erhöhen.
Ein Beispiel ist der eLine Smart Assist des rehm Verlag. Die Lösung macht Fachinhalte unmittelbar anwendbar und positioniert den Verlag als interaktiven Lösungsanbieter – ein entscheidender Schritt in Richtung KI-basierte Recherche- und Support-Systeme.

Neues Service-Angebot beim rehm Verlag zum kommunalen Haushalts- und Wirtschaftsrecht (Retresco Case Study)
White-Label-RAG-Lösungen schaffen zusätzliche Erlösquellen. Adaptive Frontend-Widgets lassen sich nahtlos in bestehende Portale und mobile Apps integrieren – im eigenen Corporate Design und ohne sichtbares Drittanbieter-Branding. So können Verlage ihr Service-Angebot erweitern, ohne die Kontrolle über Markenerlebnis und Kundendaten abzugeben.
RAG ermöglicht auch eine feingranulare Monetarisierung. Klassische Abos bleiben relevant, werden aber differenzierter: Basis-, Pro- und Experten-Zugänge mit klar definierten Funktionsumfängen.
Hinzu kommen Pay-per-Use-Modelle für Gelegenheitsnutzer:innen sowie Freemium-Strategien, die Einstiegshürden senken. Ein Beispiel ist energate, das mit einem RAG-Chatbot neue Nutzer:innen an sein Fachangebot heranführt und versucht, diese schrittweise an kostenpflichtige Services heranzuführen.

Monetarisierung im Freemium-Modell bei energate mit einem neuen RAG-Chatbot (Retresco Case Study)
Auch das Werbegeschäft profitiert: RAG-Systeme verstehen Nutzerintentionen semantisch und ermöglichen hochgradig kontextbezogene Empfehlungen, die echten Nutzen liefern – und damit deutlich akzeptierter sind als herkömmliche Display-Ads.
Erfolgreiche Geschäftsmodelle mit RAG-Chatbots entstehen nicht isoliert, sondern als Teil einer ganzheitlichen Strategie. Medienhäuser, Fachmedien und Presseverlage sollten ihre Content-Assets neu bewerten: Welche Inhalte sind einzigartig? Wo liegt exklusives Wissen? Und wie lassen sich bestehende Kundenbeziehungen durch RAG und gezielte Vermarktungsstrategien vertiefen?
Wer früh investiert, kann Standards setzen und sich nachhaltig positionieren – gerade im B2B-Umfeld mit hohen Wechselkosten.
RAG eröffnet reale, vielfältige Monetarisierungschancen: von Wissensassistenten über smarte Support-Systeme bis hin zu völlig neuen Erlösmodellen. Der richtige Weg ist iterativ: Prototypen entwickeln, testen, Feedback einholen und skalieren.
Nicht jeder Ansatz wird sofort funktionieren. Aber Medienhäuser, Fachmedien und Presseverlage, die jetzt experimentieren, bauen direkte Kundenbeziehungen auf und sichern sich einen Vorsprung in einem Markt, der sich gerade neu ordnet.
Du hast Fragen, Anmerkungen oder Feedback zu aktuellen Erlös- und Geschäftsmodellen mit RAG? Sprich mich an – ich melde mich gerne bei dir!