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Harald Oberhofer
Head of Marketing, Retresco
Morgens beim Kaffee ein schneller Blick auf die neuesten Meldungen, auf dem Weg zur Arbeit ein Podcast, abends zuhause entspannt ein paar Videos im Feed: Genau hier setzt Liquid Content an. Nutzer:innen entscheiden selbst, in welchem Format sie journalistische Inhalte konsumieren. Und KI im Journalismus liefert die technologische Grundlage dafür.
Liquid Content bezeichnet Inhalte, die nicht mehr statisch sind, sondern sich dynamisch anpassen lassen. Die Definition des Reuters Institute bringt es auf den Punkt: Inhalte bestehen nicht länger aus einzelnen, abgeschlossenen Artikeln, sondern Inhalten und Geschichten, die sich in Echtzeit an den jeweiligen Kontext der Nutzer:innen anpassen. Dazu zählen Faktoren wie Ort, Zeitpunkt oder Interaktion. Ermöglicht wird dies vor allem durch KI, die Inhalte individuell auf Präferenzen und Nutzungssituationen zuschneidet.

Definition von Liquid Content gemäß dem Reuters Institute
Für Medienhäuser und Publisher bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Weg vom artikelzentrierten Denken hin zu einer modularen Content-Architektur. Inhalte werden nicht mehr für einen einzelnen Ausspielkanal produziert, sondern als flexibel kombinierbare Bausteine konzipiert, die sich gezielt an unterschiedliche Kanäle, Zielgruppen und Nutzungskontexte anpassen lassen. An die Stelle abgeschlossener, linearer Artikel tritt ein System atomarer Inhaltselemente, das dynamisch orchestriert, kontextualisiert und ausgespielt werden kann.
Sich Texte vorlesen zu lassen oder Artikel-Zusammenfassungen abzurufen, ist längst nichts Besonderes mehr. Doch erst mit Künstlicher Intelligenz macht Liquid Content effektiv kanalspezifisch auslegbar und personalisierbar. Wo bislang jede Ausspielvariante manuell erstellt oder angepasst werden musste, ermöglichen KI-Tools heute die automatisierte Produktion von Texten, Audios, Videos oder Visuals – ausgehend von einer zentralen Informationsquelle.
Der entscheidende Wandel liegt dabei nicht nur im Format, sondern in der variablen inhaltlichen Tiefe. Genügen prägnante Bulletpoints oder wird eine fundierte Analyse benötigt? Liquid Content passt sich dynamisch an: in Echtzeit, kontextbezogen, kanalabhängig und personalisiert.
Dass hinter diesem Trend echte Substanz steckt, belegen erste Branchenstudien. Gemäß dem Reuters Institute erwarten 75 % der Medienentscheider:innen, dass KI-bedingte Veränderungen in den kommenden drei Jahren einen großen oder sogar sehr großen Einfluss auf Medienhäuser und Publisher haben werden.
Der Grund: Inhalte „verflüssigen“ sich. Format, Länge und Darstellung passen sich dynamisch an Nutzungskontext, Endgerät und Interaktionsform an. Zugleich wird es für Medienhäuser immer schwieriger zu kontrollieren, wo ihre Inhalte konsumiert werden – im Browser, per Chatbot oder via Social Media. Das wirft neue Fragen zur Reichweitenmessung und Monetarisierung auf.
Auch das Medien Netzwerk Bayern spricht in seinen Medientrends 2026 bereits von einer „Post-Format-Ära“ und einem „fluiden Medienerleben“:
Ein Beispiel dafür ist TIME AI: Das Time Magazine ermöglicht einen interaktiven, nutzerzentrierten Zugang zu journalistischen Inhalten, der sich nicht mehr an einzelne Formate bindet, sondern an Fragen, Interessen und Nutzungsmomente.

Mit TIME AI bietet das Time Magazine einen interaktiven Zugang zu seinen Inhalten
Für Entscheider:innen und Praktiker im Medienbereich bedeutet das: Relevanz entsteht weniger durch das perfekte Einzelstück, sondern durch konsequente Nutzungsorientierung und kohärente Erlebnisse über unterschiedlichste Kontaktpunkte hinweg.
Liquid Content eröffnet neue Perspektiven für den redaktionellen Alltag. Perspektivisch dürften KI-basierte Multiagentensysteme es ermöglichen, Texte, Bilder, Audio- und Videoformate automatisiert zu orchestrieren und passgenau für die unterschiedlichen Kanäle und Zielgruppen maßgeschneidert auszulegen.
Durch KI entstehen neue Spielräume für Redaktionen: Auch ohne größere Bewegtbild- oder Datenteams lassen sich hochwertige Multimedia-Inhalte erstellen, während Journalist:innen weiterhin die redaktionelle Kontrolle behalten. Storytelling wird damit kanalübergreifend, modular und skalierbar. Eine zentrale Rolle kommt dabei auch Chatbots zu, die sich zur neuen Schnittstelle zwischen Redaktion und Nutzerschaft entwickeln. Sie beantworten Fragen, liefern hochgradig personalisierte Zusammenfassungen und führen Nutzer:innen dialogisch durch individuelle Fragen und vielschichtige Themen.
Für Medienhäuser und Publisher bedeutet das im neuen Jahr: Künstliche Intelligenz bringt Bewegung in den Journalismus. Die Art und Weise, wie Inhalte produziert, distribuiert und konsumiert werden, befindet sich im Wandel. Liquid Content und seine Möglichkeiten sollten daher evaluiert werden – nicht zuletzt, um den Erwartungen der eigenen Nutzerschaft gerecht zu werden und zugleich intern neue Effizienzpotenziale zu erschließen.
Wer in der Lage ist, seine Inhalte modular, adaptiv und personalisierbar bereitzustellen, sichert sich Sichtbarkeit, Effizienz und Relevanz – in einer Medienwelt, in der Formate zunehmend verschwimmen und Nutzer:innen mehr Kontrolle übernehmen.
Du hast Fragen, Anmerkungen oder Feedback zu Liquid Content? Sprich mich an – ich melde mich gerne bei dir!