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Harald Oberhofer
Head of Marketing, Retresco
Was lässt sich bei Regen unternehmen? Wo gibt es regionale Küche? Welche Wanderung passt zu einer Familie mit kleinen Kindern? Antworten auf solche Fragen liegen häufig längst vor: Auf Destinationswebsites, in Veranstaltungsdatenbanken, Tourenbeschreibungen und Gastronomieverzeichnissen. Für Gäste beginnt trotzdem oft eine Suche über mehrere Seiten. KI-gestützte Reiseberatung kann diese Informationen zusammenführen und auf die jeweilige Situation der Nutzenden abstimmen – im direkten Dialog und in ihrer Sprache.
Für Destinationen, Tourismusorganisationen, Reiseanbieter und touristische Publisher eröffnet sich damit ein zusätzlicher Weg, eigene Inhalte und Partnerinformationen verfügbar zu machen. Ein Chatbot für die Reisebranche beantwortet wiederkehrende Fragen, erleichtert die Orientierung und führt zu passenden Angeboten. Sein Wert hängt davon ab, wie zuverlässig er auf aktuelle Informationen zugreift und wie gut er in die digitale Gästekommunikation eingebunden ist.
Touristischer Content inspiriert, erklärt und unterstützt Entscheidungen. Im Dialog lassen sich diese Funktionen verbinden. Gäste beschreiben ihr Anliegen in eigenen Worten und präzisieren es durch Rückfragen: „Ist dieser Spaziergang auch mit Kinderwagen möglich?“ oder „Wie kommen wir ohne Auto dorthin?“. Aktuelle KI-Assistenten berücksichtigen den jeweiligen Gesprächskontext und führen geeignete Informationen aus unterschiedlichen Datenquellen zusammen.
Damit wird Content-Publishing um eine interaktive Nutzungsebene erweitert. Eine Tourenbeschreibung informiert etwa über Strecke, Dauer und Schwierigkeitsgrad. Verknüpft mit Mobilitätsinformationen und aktuellen Hinweisen lassen sich diese Inhalte nutzen, um konkrete Ausflugsfragen zu beantworten. Dafür braucht es verlässliche Quellen, einen klar abgegrenzten Beratungsumfang sowie ein System, das ggf. Informationslücken erkennt und transparent macht.
Künstliche Intelligenz in der Reisebranche kann Gäste entlang der gesamten Reise begleiten – von der Inspiration über die Planung bis zum Aufenthalt vor Ort. Je nach Anbieter stehen unterschiedliche Aufgaben im Mittelpunkt: Ein Hotelassistent informiert über Zimmerangebote und führt zur Direktbuchung, während ein Destinationsassistent Orientierung bietet und passende Ausflugsziele oder Erlebnisse empfiehlt.
KI-gestützte Reiseberatung per WhatsApp: Der Südtiroler KI-Assistent Otto liefert regionale Restaurant-Tipp
Entscheidend ist, den Gästedialog sinnvoll mit weiterführenden Informationen, Services und Buchungsmöglichkeiten zu verknüpfen. Mehrsprachigkeit und Erreichbarkeit rund um die Uhr gehören dabei zum Standard. Zugleich können KI-Assistenten Serviceteams bei wiederkehrenden Fragen und Anliegen entlasten.
Wie KI-gestützte Reiseberatung über WhatsApp aussehen kann, zeigt „Otto“, der digitale Assistent der Ferienregion Südtirols Süden. Über die Kachel „Chatbot OTTO“ auf der Destinationswebsite gelangen Gäste direkt zum WhatsApp-Chat. Die Beratung findet damit in einem vertrauten Messenger statt: Gäste stellen ihre Fragen im Dialog, ohne eine zusätzliche Reise-App installieren zu müssen.
Otto beantwortet rund um die Uhr Fragen zu Ausflügen, Veranstaltungen, Mobilität und Freizeitangeboten. Seine Persönlichkeit orientiert sich an einem Bauern aus dem Südtiroler Unterland. Der regionale Gastgebercharakter macht das Informationsangebot wiedererkennbar und verbindet digitale Beratung mit der Marke der Destination.
Der KI-Assistent kennt seine Grenzen und macht transparent, wo seine regionale Beratung endet
Die für diesen Beitrag ausgewerteten WhatsApp-Dialoge zeigen, wie der KI-Assistent touristische Informationen passend zu konkreten Fragen bereitstellt. Bei Fragen nach typisch südtirolerischem Essen empfiehlt er eine Auswahl von Lokalen am gewünschten Standort. Die Antworten enthalten Angaben zu Küche, Adressen, Telefonnummern und Öffnungszeiten sowie Links zu weiterführenden Websites. Der Dialog verkürzt damit signifikant den Weg von einer allgemeinen Frage zu konkreten Kontakt- und Angebotsinformationen.
Auch auf die Frage nach Unternehmungen bei schlechtem Wetter liefert der KI-Assistent passende Vorschläge: Er nennt unter anderem ein Naturparkhaus, Kirchen und Museen in der Umgebung. Ergänzend verlinkt er auf das Wochenprogramm und eine Seite mit Schlechtwettertipps. Für leichten Regen schlägt er einen Spaziergang auf Sagenwegen vor und weist darauf hin, dass Öffnungszeiten und Programme kurzfristig variieren können.
Der KI-Assistent liefert passende Ausflugstipps bei Regen
Zugleich wird eine mehrsprachige Nutzung sichergestellt. Auf eine spanische Restaurantfrage antwortet Otto auf Spanisch und nennt dieselben Lokale wie im deutschen Dialog. Einzelne weiterführende Destinationslinks führen auf englischsprachige Seiten. Daraus ergibt sich eine wichtige Anforderung für internationale Reiseberatung: Die Qualität der Nutzerführung reicht über die übersetzte Antwort hinaus bis zu den verlinkten Informationen.
Aufschlussreich ist auch, wie der KI-Assistent auf Fragen nach Restaurants außerhalb der eigenen Tourismusregion reagiert: Er gibt keine konkrete Empfehlung, erklärt, für welche Region er Auskünfte bietet, und verweist auf das zuständige Tourismusbüro. Ergänzend nennt er beispielhaft Orte innerhalb seiner Region Südtirols Süden. So macht der Assistent transparent, wo seine Beratung endet.
Ein leistungsfähiges Sprachmodell allein liefert noch keine verlässliche Reiseberatung. Für einen erfolgreichen Chatbot in der Reisebranche müssen redaktionelle Inhalte, strukturierte Angebotsdaten und aktuelle Serviceinformationen zusammenpassen. Dazu gehören Ortszuordnungen, Veranstaltungszeiträume, Öffnungszeiten, Toureneigenschaften und Hinweise zur Erreichbarkeit.
Eine geeignete Architektur verbindet das Sprachmodell mit internen und externen Datenquellen. Mithilfe von RAG (Retrieval-Augmented Generation) ruft das System gezielt relevante Informationen ab und nutzt sie als Grundlage für die Antwort. Für kurzfristig veränderliche Daten können zusätzliche Schnittstellen nötig sein, etwa zu Fahrplänen, Buchungssystemen oder Wetterdiensten. APIs ermöglichen den Zugriff auf diese aktuellen Informationen. Hierbei kann MCP (Model Context Protocol) die Anbindung von Datenquellen und Tools standardisieren. Das Sprachmodell formuliert daraus verständliche Antworten in den unterstützten Sprachen.
Für Content-Verantwortliche bedeutet das: Informationen müssen aus nachvollziehbaren Quellen stammen. Zudem braucht es klare Ablaufdaten und geregelte Aktualisierungsprozesse. Vergangene Veranstaltungen dürfen nicht mehr als aktuelle Tipps erscheinen. Bei widersprüchlichen Angaben muss definiert sein, welche Datenquelle Vorrang hat. Strukturierte Daten und redaktionelle Texte ergänzen sich dabei: Während strukturierte Daten präzise Fakten für Filter und Empfehlungen liefern, schaffen redaktionelle Inhalte Kontext und Inspiration.
KI-gestützte Reiseberatung muss dann funktionieren, wenn besonders viele Menschen Informationen benötigen: in Ferienzeiten, an Veranstaltungswochenenden oder bei plötzlichen Wetteränderungen. Die Infrastruktur sollte deshalb auf variable Lasten, angemessene Antwortzeiten und einen stabilen Betrieb ausgelegt sein.
Bei selbst gehosteten Modellen können GPU-Ressourcen, Container-Orchestrierung und Lastverteilung erforderlich sein. Bei angebundenen Modelldiensten stehen unter anderem Kapazitätsgrenzen, Verfügbarkeit und laufende Nutzungskosten im Vordergrund. Monitoring und kontrollierte Veröffentlichungsprozesse helfen, Fehler früh zu erkennen. Ein spezialisierter KI-Partner kann diese Betriebsaufgaben übernehmen. Hierbei sollten Servicequalität und Zuständigkeiten verbindlich vereinbart werden.
Bei der Modellauswahl zählen Antwortqualität, Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit, Sprachkompetenz, Kosten und die Bedingungen der Datenverarbeitung. Realistische Testfragen aus der Gästekommunikation sind aussagekräftiger als ein allgemeiner Modellvergleich. Dazu gehören regionale Ortsnamen, unvollständige Fragen, Sprachwechsel und Anliegen außerhalb des vorgesehenen Beratungsumfangs.
Ein modellunabhängiger Ansatz schafft Spielraum, unterschiedliche Modelle einzusetzen und später zu wechseln. Neue Modelle sollten vor ihrer Freigabe mit denselben Qualitätskriterien geprüft werden. Gute Prompts unterstützen einheitliche Antworten und klare Grenzen.
Je stärker KI im Tourismus auf Drittsysteme zugreift, desto wichtiger werden kontrollierte Datenflüsse. Denn öffentliche Informationen über eine Reiseregion, interne Dokumente, Fachdatenbanken und Buchungsdaten haben unterschiedliche Schutzbedarfe. Ein öffentlich zugänglicher KI-Assistent darf deshalb nur auf Datenquellen zugreifen, die ausdrücklich für seinen Einsatz freigegeben sind.
Werden personenbezogene Daten verarbeitet, muss klar sein, zu welchem Zweck und auf welcher Rechtsgrundlage dies geschieht, wie lange die Daten gespeichert werden und wer dafür verantwortlich ist. Auch muss geprüft werden, welche Dienstleister beteiligt sind, wo die Verarbeitung stattfindet und ob Nutzereingaben für das Training von KI-Modellen verwendet werden. Datensparsamkeit und die Anonymisierung von Nutzerinteraktionen sorgen für Schutz. Bei Messenger-Angeboten wie WhatsApp ist zudem zu prüfen, welche Daten der jeweilige Plattformanbieter selbst verarbeitet.
Hinzu kommen die Anforderungen des EU AI Acts. Für dialogische KI-Systeme sind insbesondere die Transparenzregeln relevant: Gäste müssen erkennen können, dass sie mit einer KI interagieren. Für Anliegen, die persönliche Beratung erfordern, sollten KI-Serviceangebote eine einfache Kontaktaufnahme mit einem menschlichen Ansprechpartner ermöglichen.
Chatbots im Tourismus können Gästen weniger bekannte Orte und passende Alternativen zugänglich machen. Dadurch lassen sich Angebote breiter sichtbar machen und Aufenthalte individueller gestalten. Die Ferienregion Südtirols Süden nennt beispielsweise die Besucherlenkung ausdrücklich als Ziel des eigenen KI-Assistenten.
KI-gestützte Reiseberatung verbindet Destinationswissen mit Live-Daten und folgt klaren Regeln
Für eine gezielte Steuerung braucht es jedoch mehr als abwechslungsreiche Vorschläge. Destinationen sollten definieren, welche Kriterien berücksichtigt werden: Saison, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Eignung für bestimmte Gästegruppen oder Schutz sensibler Gebiete. Soll die aktuelle Auslastung einfließen, sind belastbare Daten und Regeln erforderlich.
Der wirtschaftliche Nutzen eines KI-Angebots sollte an konkreten Zielen gemessen werden. Relevant sind etwa die Antwortqualität, erfolgreich geklärte Anliegen, Klicks auf weiterführende Angebote, qualifizierte Anfragen und die Entlastung von Serviceteams. Wo Buchungsstrecken angebunden sind, lässt sich zusätzlich untersuchen, welchen Beitrag Dialoge zur Conversion leisten.
Conversational Analytics liefert zugleich Impulse für das Content-Publishing. Wiederkehrende Fragen zeigen, welche Informationen Gäste besonders interessieren. Unbeantwortete Anliegen können auf fehlende Daten, uneindeutige Inhalte oder Lücken im Angebot hinweisen. Daraus entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess für Beratung, Service, Redaktion und Produktentwicklung.
Für die Umsetzung müssen touristisches Fachwissen, Redaktion, Softwarearchitektur, Datenkompetenz und Datenschutz zusammenarbeiten. Ein KI-Spezialist kann technische Entwicklung und Betrieb übernehmen. Die Destination bleibt für ihre Daten, Inhalte, Beratungsziele und fachlichen Freigaben verantwortlich. Langfristige Wettbewerbsvorteile entstehen durch eine gepflegte Wissensbasis, regelmäßige Aktualisierungen, geeignete Integrationen sowie ein eigenständiges Beratungskonzept.
Ein sinnvoller Einstieg beginnt mit einem klar umrissenen Beratungsbereich: etwa Ausflugsinformationen, Gastronomie oder Mobilität. Darauf aufbauend lassen sich Datenquellen erweitern, zusätzliche Sprachen prüfen und weitere Kanäle integrieren. Jeder Schritt sollte an der Qualität der Antworten und dem Nutzen für Gäste gemessen werden.
Retresco unterstützt Tourismusorganisationen und touristische Publisher dabei, eigene Daten und Inhalte für interaktive Frage-Antwort-Angebote nutzbar zu machen. Von der Wissenserschließung über die Einbindung in bestehende Systeme bis zur Auswertung mit Conversational Analytics entsteht so eine Grundlage, um KI-gestützte Reiseberatung zu etablierten und interaktiv zu machen.
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