- KI-Lösungen
- Branchen
- KI-Projekte
- Wissen
- Über uns
Blog
Simon Pollock
Senior AI Account Manager & Strategy Advisor, Retresco
Die neue KI-Studie der IG Digital 2026 des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zeigt: Künstliche Intelligenz im Verlagswesen hat die Experimentierphase hinter sich gelassen. Was noch vor einem Jahr als Zukunftsthema galt, entwickelt sich jetzt zu einem Erfolgsfaktor: KI im Verlagsumfeld – mit spürbaren Effekten auf Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle in Verlagen.
Künstliche Intelligenz im Verlagsumfeld gewinnt rasant an Bedeutung
Während 2025 nur 9 % der befragten Verlage die Relevanz von KI als hoch oder sehr hoch einschätzten, sind es 2026 bereits 31 %. Für 2031 prognostizieren sogar 83 % eine hohe bis sehr hohe Bedeutung. Besonders große Häuser mit mehr als 10 Mio. Euro Umsatz sehen das strategische Potenzial. Für sie ist KI im Verlagsumfeld längst kein reines Innovationsthema mehr, sondern ein zentraler Hebel für Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit.
Erwartet werden vor allem Effizienzgewinne in Prozessen, bessere Marktanalysen sowie eine höhere Mitarbeiterproduktivität. Damit bestätigt die KI-Studie den Verlagen, was viele Häuser bereits erleben: KI verändert Wertschöpfungsketten im Publishing grundlegend.
KI-Nutzung in deutschen Verlagen: Von der Content-Produktion bis zur Vermarktung
Die KI-Nutzung in den Verlagen Deutschlands ist inzwischen breit verankert. Bereits 69 % der befragten Häuser setzen KI für die Erstellung neuer Inhalte ein, 66 % für Recherche und Ideenfindung. Auch in der Vermarktung ist KI angekommen: Knapp die Hälfte der Verlage nutzt sie zur Analyse von Markttrends, für personalisierte Angebote oder für eine automatisierte Zielgruppenansprache.
Für Entscheider:innen wird damit klar: KI im Verlagswesen wirkt nicht nur in Redaktion und Produktion, sondern entlang der gesamten Customer Journey – von der Themenfindung über die Content-Aufbereitung bis zur Vermarktung.

KI treibt Produktivität im Verlagswesen – speziell bei Content, Ideenfindung, Recherchen und Vermarktung (Börsenverein)
RAG-Anwendungen: Neuer Standard in der Vermarktung von Fachinformationen
Ein besonders dynamisches Feld von KI im Verlagsumfeld sind RAG-Anwendungen für Verlage („Retrieval-Augmented Generation“). Die Studie identifiziert diese als einen der drei zentralen Trends in der Vermarktung von Fachinformationen – neben Preisprognosen und datengetriebener Absatzsteuerung.
RAG-basierte Lösungen ermöglichen es Verlagen, ihre bestehenden Inhalte in dialogbasierte Wissenssysteme zu überführen. Auf Basis vorhandener Informationskataloge entstehen branchenspezifische Wissensbots und Informationshubs, die Nutzer:innen bei Recherche, Beratung und Abruf passgenauer Inhalte unterstützen. Für Verlage eröffnet sich damit ein neues Produktparadigma: Content wird nicht mehr nur publiziert, sondern in interaktive Services überführt und dynamisch bereitgestellt. Genau hier entsteht aktuell ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für neue Angebote und Services im Verlagsumfeld.
Professionalisierung im KI-Verlagsumfeld nimmt deutlich zu
Die Studie zeigt auch: KI im Verlagswesen wird professioneller. In den letzten zwölf Monaten haben 39 % der Verlage auf Kooperationen mit externen Partnern gesetzt, während 33 % eigene KI-Lösungen entwickelt haben. Zugleich geht der Trend in Richtung Aufbau interner Kompetenzen und strukturierter KI-Programme.
Aktuell bestehen noch Unterschiede nach Verlagsgröße. Während größere Häuser zunehmend strategische und stärker regulierte Ansätze verfolgen, wählen kleinere Verlage häufig pragmatische und flexible Lösungen. Kritisch bleibt jedoch, dass 14 % der Befragten weiterhin private Accounts für KI-Tools nutzen – ein klares Risiko für Datenschutz, Compliance und geistiges Eigentum im KI im Verlagsumfeld.
KI-Strategie und Governance als zentrale Herausforderungen
Trotz wachsender Nutzung fehlt in vielen Verlagshäusern noch die strategische Verankerung. Rund zwei Drittel der Verlage verfügen gemäß der KI-Studie weder über eine dokumentierte KI-Strategie noch über eindeutige Mitarbeiterrichtlinien.

KI gewinnt im Verlagsumfeld an Bedeutung – häufig fehlt noch die strategische Verankerung (Börsenverein)
Die größten Hürden bei KI im Verlagswesen sehen Verlage aktuell in rechtlichen Fragen rund um Urheberrecht, in der Qualität KI-generierter Inhalte sowie in fehlenden Mitarbeiterkompetenzen. Gerade Governance, Rechtssicherheit und Qualitätssicherung werden damit zu Schlüsselthemen für Entscheider:innen, die Künstliche Intelligenz nachhaltig im Verlag etablieren wollen.
Fazit: KI im Verlagswesen wird zum festen Bestandteil des Alltags
Die KI-Studie der IG Digital 2026 unterstreicht: Die Verlagsbranche gestaltet den digitalen Wandel aktiv. KI im Verlagsumfeld entwickelt sich vom experimentellen Werkzeug zum festen Bestandteil des Verlagsalltags – in Redaktion, Vermarktung und Produktentwicklung.
Für Verlage bedeutet das: Jetzt ist der Zeitpunkt, KI strategisch zu verankern, Kompetenzen aufzubauen und neue KI-basierte Produkte wie RAG-Anwendungen zu entwickeln. Denn die Studie macht ebenso deutlich, dass die Wettbewerbsfähigkeit im Publishing durch den Reifegrad von KI im Verlagswesen bestimmt wird.
Du hast Fragen, Anmerkungen oder Feedback? Sprich mich an – ich melde mich gerne bei dir!