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Harald Oberhofer
Head of Marketing, Retresco
Die neue BDZV-Trendumfrage „Trends der Zeitungsbranche 2026“ zeigt: Die digitale Transformation der Verlagsbranche hat eine neue kritische Phase erreicht. Für Entscheider:innen in Verlagen und Medienhäusern ist 2026 kein Experimentierjahr mehr, sondern ein Umsetzungsjahr – insbesondere bei Künstlicher Intelligenz in der Redaktion und entlang der digitalen Wertschöpfung.
Als Umsetzungspartner vieler Verlage und Medienhäuser sehen wir bei Retresco die gleichen Muster: KI im Journalismus geht in die Breite, wird agentisch und organisatorisch verankert. Die Studie bestätigt diese Einschätzung.
Digitale Transformation im Verlag: Optimismus trifft Handlungsdruck
Zwei Drittel der befragten Geschäftsführer:innen blicken optimistisch auf die Branchenentwicklung, und mehr als die Hälfte der Verlage fühlt sich gut auf die digitale Transformation vorbereitet. Zugleich rechnen die Medienunternehmen im Digitalbereich erneut mit zweistelligem Wachstum. Parallel dazu verschieben sich Geschäftsmodelle deutlich: Inzwischen stammen rund 13 % des Umsatzes aus Bereichen außerhalb des Journalismus, in drei Jahren sollen es bereits 22 % sein – ein Zuwachs von ganzen 60 %.
Die Botschaft: Verlage entwickeln sich zu diversifizierten digitalen Medienunternehmen. Mit wachsender Komplexität steigt jedoch auch der Effizienzdruck. Genau hier wird Künstliche Intelligenz zu einem wichtigen Hebel.

Der KI-Einsatz im Verlag steigt – 97 % sehen positive Effekte für Medienhäuser (BDZV)
KI im Journalismus: Von Pilotprojekten zu integrierten Redaktions-Workflows
2026 wird KI zum Hygienefaktor: 97 % der Verlage erwarten positive Effekte durch KI, etwa Effizienzsteigerungen, Qualitätsgewinne oder Kostensenkungen. Besonders stark verändert Künstliche Intelligenz die redaktionelle Wertschöpfung, gefolgt von Lesermarkt und Service.
Zugleich zeigt sich eine deutliche Reifeentwicklung der Medienbranche: KI wird nicht mehr als isoliertes Projekt verstanden, sondern zunehmend als Bestandteil der Systemarchitektur von Verlagen und Medienhäusern. 2026 geht es aus Sicht vieler Medienunternehmen nicht mehr ums Experimentieren und Testen, sondern um die erfolgreiche Umsetzung. Zudem entwickelt sich das Bewusstsein, dass KI eine Organisationsaufgabe ist, die weit über die Redaktion hinausgeht und nur funktioniert, wenn Mitarbeitende abgeholt werden und Prozesse verstehen.
Für die Praxis bedeutet das: KI in der Redaktion verschiebt sich von punktuellen KI-Lösungen zu integrierten, agentischen Workflows – von automatisierter Content-Erstellung über Themenplanung bis zur Content-Distribution.
Effizienz durch KI: Realistische Einsparungen, größere Skaleneffekte
Die Erwartungen der Verlage an Effizienzgewinne sind realistisch. KI bringt kurzfristig spürbare, aber keine radikalen Kostensenkungen. Im Durchschnitt rechnen die Häuser in den nächsten zwölf Monaten mit Einsparungen von rund 9,3 % in der Verwaltung, 8,9 % in der Redaktion, 7,6 % im Lesermarkt und 6,7 % im Werbemarkt.
Vereinzelt werden mit KI aber sogar zweistellige Einsparungen erwartet. Das bestätigt eine zentrale Erkenntnis aus der Praxis: Der größte Wert von KI für Medienunternehmen liegt weniger in einzelnen Maßnahmen als in Skaleneffekten über viele Prozesse hinweg – etwa bei einer automatisierten Content-Produktion oder Metadaten-Anreicherungen.

KI im Verlag – Redaktionen liegen vorne, aber auch Lesermarkt- und Servicefunktionen profitieren (BDZV)
KI in der Redaktion: Größter Impact entlang der Wertschöpfung
Die Studie zeigt, dass KI am stärksten die Redaktionen verändert. Hier entsteht der Kernwert journalistischer Angebote, und hier entfalten Automatisierung und agentische KI-Assistenzsysteme den größten Hebel. In vielen Häusern entstehen aktuell KI-gestützte Produktionsketten, die automatisierte Meldungs- und Artikelproduktion, die Strukturierung und Anreicherung von Content-Pools, personalisierte Ausspielung und SEO-Optimierung miteinander verbinden. Ergänzt wird dies durch KI-gestützte Themen- und Trendanalysen, die Planung und Priorisierung unterstützen.
Viele Verlage und Medienhäuser erwarten in diesem Bereich nennenswerte Einsparungen – bei zugleich einem höheren Content-Output und beschleunigten Prozessen. Diese Kombination aus Effizienz und Output-Skalierung macht KI im Journalismus besonders interessant.
Plattformabhängigkeit: KI verschärft den Reichweitenwettbewerb
Ein weiteres wichtiges Studienergebnis: Rund 45 % der Verlage sehen sich stark oder existenziell abhängig von Traffic und Erlösen, die durch Big-Tech-Plattformen und KI-Suchen entstehen.
Für Medienunternehmen bedeutet das, eigene Inhalte stärker zu strukturieren und lizenzierbar zu machen, Marken- und Direktzugänge auszubauen und KI-basierte Content-Produktion zu skalieren. Die digitale Transformation Verlag wird damit zunehmend auch zu einer Distributions-Transformation.
Wachstumstreiber 2026: Abos und KI-Effizienz
Die größten Chancen der kommenden zwölf Monate liegen laut BDZV im Wachstum digitaler Abonnements und in Effizienzgewinnen durch Künstliche Intelligenz. 77 % der Verlage sehen Wachstumspotenziale bei E-Paper-Abos, 51 % bei Plus-Abos und 52 % bei Effizienzoptimierungen durch KI.
Damit zeigt sich: Monetarisierung und Effizienz konvergieren. Erfolgreiche Verlage und Medienhäuser kombinieren digitale Abo-Strategien mit KI-gestützten Produktions- und Vermarktungsprozessen.
Ausblick: Die Organisationsfähigkeit entscheidet über den KI-Erfolg
Die BDZV-Studie bestätigt eine zentrale Entwicklung: KI im Journalismus ist kein Innovationsprojekt mehr, sondern Infrastruktur. Entscheidend für Verlage und Medienhäuser ist jetzt, KI in der Redaktion systemisch zu integrieren, Automatisierungen und agentische Möglichkeiten über Abteilungen hinweg zu skalieren, die eigene Organisation und Mitarbeitende zu befähigen sowie Content-Produktion und Distribution zusammenzudenken.
Oder wie es ein Studienteilnehmer formuliert: „KI funktioniert nur, wenn die Belegschaft sie versteht und akzeptiert.“
Für Entscheider:innen bedeutet das: Die digitale Transformation im Verlag geht in die operative Phase. Wer jetzt KI breit verankert, sichert sich Effizienz, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.
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