NLG in der Praxis

Von Computern autonom geschaffene Werke: Urheberrechtlich schützenswert?

Vor kurzem erreichte uns eine interessante Forschungsanfrage des wissenschaftlichen Mitarbeiters Niklas Maamar der Humboldt-Universität zu Berlin, bezüglich der geistigen Eigentumsrechte an von Computern autonom geschaffenen Werken mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.

Der Soziologe Hartmut Rosa erwähnte vor einigen Jahren in einem seiner Vorträge: „Beschleunigung – Symptom unserer Zeit?“  an der Akademie der Wissenschaften in Hamburg einen interessanten Gedankengang: Die Beschleunigung der gesellschaftlichen Strukturen wirkten sich nach Rosa auch auf Gesetze einer Gesellschaft aus. Diese müssten sich an die veränderten technischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten immer schneller anpassen, welches in den bisherigen Strukturen zu großen Herausforderungen führe. [Ro,15] Mit dieser Aussage sehen wir uns jetzt, drei Jahre später konfrontiert, wenn es um die Frage geht, ob von Computern mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschaffene Werke urheberrechtlich schützenswert sind.

 

Geistige Eigentumsrechte ungeklärt

Tatsächlich ist es der Fall, dass die geistigen Eigentumsrechte an automatisch generierten Werken im Bereich der automatischen Texterstellung momentan ungeklärt sind. Urheberrechtlich sind die Texte nach unserer Einschätzung nicht geschützt, da nach derzeitiger Rechtsauffassung nur ein Mensch Urheber eines Werkes sein kann (persönliches Schaffen). Geht man davon aus, dass die Texte auf Basis vorhandener Datenbanken und größtenteils regelbasiert generiert werden, ist diese Haltung auch hinsichtlich der unzureichenden Schöpfungshöhe nachvollziehbar.

 Mit Blick auf die zunehmende inhaltliche, sprachliche und stilistische Komplexität automatisch generierter Texte ist diese Haltung zumindest in Einzelfällen allerdings streitbar. So können beispielsweise durch elaborierte autonome Datenanalysen individuelle Aussagen getroffen werden oder auch durch die Definition entsprechender Regelwerke, wie wann welcher Sachverhalt auszudrücken ist, individuelle und stilistisch prägende Werke entstehen die eine schützenswerte Schöpfungskraft haben. Für den Moment unterscheiden wir vor diesem Hintergrund in der täglichen Praxis daher Rechte an:

– Daten/Datenbank/Analysen

– Regelwerken zur Generierung von Aussagen

– Texten

 

Werke sollten ebenfalls dem Pressekodex unterliegen

Grundsätzlich ist zu diskutieren, ob das Urheberrecht perspektivisch insoweit überarbeitet werden sollte, dass es auch autonome Werke nach vergleichbaren Kriterien einschließt. Vergleichbar dazu treten wir als Anbieter automatisch generierter Texte im journalistischen Umfeld dafür ein, dass autonome Texte ebenso dem Pressekodex unterliegen und genügen müssen, wie menschlich geschriebene Inhalte.

 

 

Über Retresco

Bereits seit 2008 entwickelt Retresco führende AI-Lösungen im Bereich Content Automation. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen zunehmend zu einem der weltweit führenden Anbieter in der automatischen Textgenerierung (NLG) entwickelt und dutzende Projekte für Kunden aus den Bereichen Medien, E-Commerce und Finanzdienstleistungen umgesetzt.

 

Quellen:

[Ro,15] Deutschlandfunk Nova, Beitrag über Hartmut Rosa am  : „Zeit: Die knappste Ressource der Welt!

Artikelbilder: © Daniel Cheung und Robert Gonzales via Unsplash