Vier Dinge, die wir vom diesjährigen Digital News Report gelernt haben

Am 14. Juni hat das Marketing Team von Retresco die diesjährige Veröffentlichung des Digital News Reports vom Reuters Institute in Berlin besucht und einige spannende Erkenntnisse mitgenommen. Mit Wurzeln in und vielen Kunden aus der Verlags- und Publisher-Branche beeinflussen uns zukünftige Entwicklungen dieser selbstredend besonders.

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Pete, Fabian, Daniel, Eveline und Lydia

[/two_fifth]Unser Communications Manager Pete Carvill (@pete_carvill) hatte im Anschluss die Gelegenheit, Nic Newman vom Reuters Institute, sowie weitere Reporter von Die Zeit, Handelsblatt Global und mehr, kennenzulernen.

 

Von Pete stammt daher auch der englische Originalbeitrag, der die Erkenntnisse international einordnet, während diese Version zusätzlich für Deutschland spezifische Ergebnisse fokussiert.

 

 

Die vier Hauptpunkte des Abends vorneweg:

  1. Facebook als Nachrichtenquelle verliert immer mehr an Bedeutung
  2. Steigende Angst vor Fake-News, jedoch nicht in Deutschland
  3. Neue Entwicklungen bezüglich Einnahmequellen für Publisher
  4. Podcasts sind auf dem Vormarsch

 

 

Facebook verliert im Vergleich zu geschlossenen Netzwerken wie WhatsApp an Relevanz

 

Geschlossene soziale Netzwerke wie WhatsApp laufen Facebook laut Bericht nach und nach den Rang ab, vor allem als Nachrichtenquelle verliert Facebook seine bisherige Vormachtstellung. International gesehen gibt es hier zwar Unterschiede, in Deutschland ist das Bild jedoch eindeutig: Während in den USA der Nachrichtenkonsum via Facebook zunächst um 9 und in jüngster Zeit um 20 Prozentpunkte zurückgegangen ist, ist in Malaysia oder der tschechischen Republik tatsächlich eine Steigerung der Nutzung zu erkennen. Damit bilden diese Länder jedoch die Ausnahme, allgemein ist eine Rückläufigkeit zu verzeichnen.

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In Deutschland steht WhatsApp eindeutig auf der Pole Position: Mit 60 Prozent der über 18-jährigen handelt es sich um das meistgenutzte soziale Netzwerk, gefolgt von Facebook und Youtube. Auch bezogen auf die Nachrichtennutzung bilden diese sozialen Netzwerke die Top 3 in Deutschland, klar zu erkennen ist jedoch: Facebook fällt ab, WhatsApp und YouTube sind auf dem Vormarsch.

 

Während die allgemeine Nutzung von Facebook in den meisten Ländern zurückging, ist sie in Deutschland nahezu gleichgeblieben: Ein Prozentpunkt Rückgang ist seit 2017 zu verzeichnen. Damit liegt Deutschland jedoch nicht weit entfernt vom Durchschnitt der 36 untersuchten Länder.

 

Gründe für den Rückgang könnten im Aufkommen vermehrter Kritik am Netzwerk-Giganten oder dessen Verbreitung unverlässlicher Nachrichten liegen, umgekehrt aber auch bei größerer Privatsphäre und somit weniger Raum für Missverständnisse, die alternative Netzwerke zu bieten haben; die Rede ist hierbei meist von WhatsApp.

 

Angst vor Fake News, jedoch nicht in Deutschland

 

Das Phänomen der Fake News geht vor allem darauf zurück, dass die Medien von der Öffentlichkeit als nicht vertrauenswürdig eingestuft werden: Nur 44 Prozent der Befragten vertrauen den Medien allgemein und 51 Prozent den Medien, die sie selbst konsumieren. In Deutschland ist das Bild geringfügig besser. Während die Hälfte der Bevölkerung in Nachrichten allgemein vertraut, vertrauen 61 Prozent in das von ihnen genutzte Nachrichtenangebot.

 

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Grund dafür könnte die strikte „Faktencheck-Kultur“ der deutschen Nachrichtenorganisationen sein. Beim Spiegel beispielsweise sorgt das siebzigköpfige Dokumentations-Team dafür, dass alle Fakten korrekt sind. Im Backend des Systems wird dabei Retrescos Natural Language Understanding (NLU) Technologie genutzt, welche Dr. Hauke Janssen, Leiter des Dokumentations-Teams, als „besser als Google“ einstuft.

 

In Bezug auf Fake News zeigen sich 37 Prozent der deutschen Bevölkerung besorgt; mit 41 Prozent ist der Großteil jedoch unentschieden, ob der Berichterstattung geglaubt werden kann. Lediglich 22 Prozent der deutschen Bevölkerung geben sich unbesorgt.

 

Das wirft kein gutes Bild auf die aktuelle Medienlandschaft. Selbstverständlich kann keiner Branche, keinem Sektor oder Individuum hundertprozentige Zustimmung von allen Seiten zugesprochen werden, aber wenn nur rund die Hälfte der Bevölkerung dem Nachrichtenangebot vertraut, wirft das neue Sorgen auf. Welche Verantwortung wir uns in Bezug auf Fake News zusprechen und wie wir damit umgehen, kann an dieser Stelle in unserem Blogpost vom Mai: Automatische Textgenerierung verändert die Welt der Nachrichten – welche Verantwortung trägt Retresco? nachgelesen werden.

 

Publisher bevorzugen Abonnements und Spendenmodelle zur Finanzierung des Nachrichtenangebots

 

Es scheint einen Markt zahlbereiter Nachrichtenkonsumenten zu geben, auch wenn dieser sich noch als relativ klein darstellt. Der Anteil derer, die für Online Nachrichten gezahlt haben, ist im letzten Jahr in den meisten Ländern immerhin leicht angestiegen. Grund dafür wird im ‚Trump Bump‘ gesehen, welcher zu einem rasanten Anstieg der Abonnements für hoch angesehene Titel wie The New York Times oder The Washington Post geführt haben soll, vor allem seitens der links orientierten Leserschaft.

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In Deutschland ist zum ersten Mal seit 2013 eine Unterbrechung des Rückgangs von zahlbereiten Lesern für gedruckte Nachrichtenangebote zu erkennen: Nach stetigem Rücklauf liegt der Wert dieses Jahr unverändert bei 42 Prozent. Nach wie vor bei konstanten 7 bis 8 Prozentpunkten ist der Anteil derer, die bereit wären, für Online-Nachrichten zu zahlen.

Eine weitere Möglichkeit der Finanzierung liegt im öffentlichen Spendenaufruf. UK’s The Guardian verfolgt diesen Ansatz seit 2016 und erhält jährlich Spenden in Millionenhöhe von bisher 600.000 Freiwilligen. Dies entspricht nicht einmal einem Prozent der Leserschaft.

 

Auch in Deutschland würden nur 19 Prozent eine Spende für ein Nachrichtenunternehmen ihrer Wahl in Erwägung ziehen, 55 Prozent erklären sich sogar als komplett dagegen. Die Bereitschaft für Nachrichten Geld auszugeben ist jedoch in allen Altersgruppen leicht gestiegen und liegt derzeit zwischen 16 und 21 Prozent. Diese Beobachtung unterstützt das Statement des Spiegel Online CEOs Jesper Doub, dass digitale Publikationen in ihrer Finanzierung eher in Richtung von bezahlten Abonnentenmodellen tendieren. Diese funktionieren aber nicht für alle Publisher: so setzt sich beispielsweise The Guardian stark dafür ein, seinen Content für alle kostenlos zur Verfügung zu stellen.

 

Podcasts sind auf dem Vormarsch

 

Das Kronjuwel harter und qualitativ hochwertiger Journalistenarbeit, der Podcast, hat einen rasanten Aufschwung erlebt, von dem erwartet wird, dass er weiterhin anhält. Er vereint hochwertigen Content mit der Möglichkeit einfacher Distribution und ist vor allem für jüngere Zielgruppen attraktiv, welche Podcasts vor Radio bevorzugen. Wahrscheinlich ist daher, dass viele Organisationen sich in Richtung Audio weiterentwickeln werden.

So hört ein Drittel der Befragten mindestens monatlich einen Podcast, es gibt aber auch hier von Land zu Land Unterschiede: Für Irlands Bevölkerung ist es doppelt so wahrscheinlich einen Podcast anzuhören wie für die Einwohner der UK. Besondere Beachtung galt außerdem The Daily, dem zwanzigminütigem wochentags erscheinenden Podcast der The New York Times – dieser wurde schon mehr als 100 Millionen Mal gedownloadet.

Audiogesteuerte Anwendungen erfreuen sich größerer Popularität – eine für uns spannende Entwicklung des Medienmarktes, die großes Potential für unsere Natural Language Processing (NLP) Anwendungen birgt.

 

 

Der spannendste Part des Abends lag in der Podiumsdiskussion, welche der Präsentation der Erkenntnisse der Digital News Reports folgte. Mit dabei waren Barbara Hans, Chefredakteurin bei Spiegel Online; Jochen Wegner, Chefredakteur bei Zeit Online; Elmar Thevessen, stellvertretender Chefredakteur beim ZDF; und Benedicte Autret, Leiterin der strategischen Beziehungen für Nachrichten und Publisher in UK und Benelux, Google; sowie Alexandra Borchardt vom Reuters Institute als Moderatorin.

Es gab einstimmige Erkenntnis darüber, dass die Branche immer noch großen Herausforderungen entgegensieht, die von Fake News ausgehende Gefahr falsch eingeschätzt und die Audio Revolution bisher nicht voll ausgeschöpft wurde. So Thevessen: „Mehr und mehr Leser sind besorgt über die Qualität der Nachrichten: Wir müssen transparenter sein, auch wenn wir Fehler machen.

Ähnliche Töne auch bei Hans: „Unsere Leser wollen nicht bevormundet, sondern ernst genommen werden. Der Journalismus hat dies lange Zeit falsch verstanden. Im Journalismus geht es genauso um das Zuhören wie um das Sprechen, Schreiben und Veröffentlichen.“

 

Alle Teilnehmer des Panels waren überrascht, dass Nutzer auf Netzwerke wie WhatsApp zurückgreifen, um sich zu informieren, betonten aber, dass jeder Channel ein guter Channel ist, solange der Leser letztendlich zur Originalquelle einer Story gelangt. Auch die Länge einer Story schreckt Leser dabei nicht ab. Thevessen dazu: „Es besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass, wenn ein Leser die erste Seite übersteht, er die gesamten 20.000 Wörter liest, unabhängig vom genutzten Device.“

 

Schlussendlich wurden die Teilnehmer des Panels gefragt, welche Rückschlüsse sie aus den Erkenntnissen des Digital News Reports ziehen. Google’s Autret, zuversichtlich mit der aktuellen Ausrichtung des Unternehmens, wird nichts am derzeitigen Kurs ändern. Thevessen vom ZDF möchte die Beziehung zum Nutzer verstärken, während Hans vomSpiegelsich nicht auf das Thema Fake News versteifen möchte. Die Zeit’s Wegner möchte die Nutzung von Audioanwendungen weiter voranbringen, nachdem sie die Verbreitung von Podcasts bisher unterschätzt hatten.

 

So far, so good. Einiges zum Nachdenken und auch einiges, welches Hoffnung bringt. Wir bei Retresco sind davon überzeugt, dass wir den Medienunternehmen nicht nur helfen können zu überleben, sondern vor allem aufzuleben. Wir glauben, dass unsere Lösungen zur Content Classification und Content Curation eine wichtige Rolle inmitten dieser Entwicklungen spielen. Für mehr Informationen, nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf.

 

 

Über Retresco

Bereits seit 2008 entwickelt Retresco führende AI-Lösungen im Bereich Content Automation. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen zunehmend zu einem der weltweit führenden Anbieter in der automatischen Textgenerierung (NLG) entwickelt und dutzende Projekte für Kunden aus den Bereichen Medien, E-Commerce und Finanzdienstleistungen umgesetzt.

 

 

[one_fourth]  [/one_fourth] Kontakt

Franca Ding
@francacharlotte
Marketing Koordinatorin, Retresco GmbH
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franca.ding@retresco.de

 

 

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