Roboterjournalismus ist kein Thema der Zukunft, er ist bereits hier

Es ist leicht, Angst vor Robotern zu haben. Sie scheinen eine Imitation des Menschen zu sein, verfügen jedoch nicht über die Qualitäten, die uns menschlich machen, wie Empathie oder Kreativität. In vielen weckt Roboterjournalismus ein ähnlich beklemmendes Gefühl und sie sehen in ihm eine Gefährdung der Lebensgrundlage von Reportern und Redakteuren.

 

Doch bevor Sie sich Sorgen um die Zukunft machen, kann ein Blick auf aktuell bereits existierende Anwendungen von Natural Language Generation (NLG) helfen, ein gewisses Maß an Sicherheit zu entwickeln. Denn Roboterjournalismus ist kein Thema der Zukunft, er ist bereits hier.

NLG Produkte werden von Organisationen auf der ganzen Welt genutzt, um automatisch Texte im Bereich Finanzen, Sport oder über Naturphänomene zu generieren. Neben den Genannten finden unsere Texte auch im eCommerce oder der Immobilienbranche Verwendung. Wenn diese Texte dann der Öffentlichkeit präsentiert werden, zeigt diese sich oft beeindruckt von der Qualität der Texte, wie sich in diesem Video von Deutsche Welle sehen lässt.

 

Darum interessierten wir uns besonders für die Ergebnisse der Studie, die Statista im Auftrag von nextMedia.Hamburg durchgeführt und pünktlich zum im September stattfindenden scoopcamp 2018 veröffentlicht hat. Untersucht wurden Meinungen über die Zukunft des Journalismus – der Fokus der Studie auf Roboterjournalismus und die Fragen von dessen Glaubwürdigkeit haben natürlich unsere besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen und auch wenn die Ergebnisse ziemlich eindeutig sind, halten wir eine Betrachtung im richtigen Kontext für wichtig und richtig.
45 Prozent der Befragten glauben, dass Roboterjournalismus keinen starken Einfluss haben wird, 49 Prozent sind sich noch unsicher über die Technologie und 28 Prozent sind sicher, dass sie sich niemals durchsetzen wird. Nur 3 Prozent glauben an das Potential automatisierter Nachrichtentexte.

 

Etwas anders sieht die Sache bezüglich der Glaubwürdigkeit entsprechender Texte aus, hier driften die Zahlen weiter auseinander und mehr Befragte scheinen sich (wenn auch nicht viel mehr) für den Roboterjournalismus auszusprechen: 43 Prozent vertrauen automatisierten Inhalten nicht, 39 Prozent sind sich unsicher und 18 Prozent schenken ihnen Vertrauen.

 

Diese Ergebnisse sind nicht überraschend, und wir haben bereits ähnliche Zahlen gesehen. Wir befinden uns noch in einer ungewissen Phase der Entwicklung und es ist zu erwarten, dass sich die Wahrnehmung von automatisiertem Content noch verschieben wird. Aktuell sträuben sich viele Reporter und Redakteure noch gegen die Annahme des Roboterjournalismus. Ihn anzunehmen scheint für sie gleichbedeutend damit, sich selbst die Schlinge um den Hals zu legen. Aber diese Reaktion ist zu vergleichen mit Pferden und Kutschern, die gegen die Erfindung des Autos protestieren: Automatisierter Content ist gekommen um zu bleiben, er wird sich weiterentwickeln, verbessern und sich weiterhin in den Alltag der Nachrichtenorganisationen integrieren.

 

So viel zum Kontext. Lassen Sie uns die Zahlen noch einmal detailliert betrachten.

Der Statistik nach haben 45 Prozent, 49 Prozent und 28 Prozent entweder kein Vertrauen in automatisiert erstellte Inhalte, sind ihnen gegenüber skeptisch oder glauben erst gar nicht an eine funktionierende Umsetzung. Damit können wir leben. Denn wir glauben, dass die Karten noch einmal neu gemischt werden, sobald die Technologie verstärkt Einzug in den Alltag der Nachrichtenagenturen erhält. Momentan befindet sich NLG noch in einer wenig definierten Phase. In den nächsten Jahren wird die Verbreitung jedoch rasant ansteigen, da sind wir uns sicher.

Wie wir es auch schon oft getan haben, ist aber zu betonen, dass die NLG Technologie als ein Werkzeug anzusehen ist, das Reporter und Redakteure unterstützt und voranbringt, anstatt sie zu ersetzen. Seit Jahren schon befindet sich die Journalismusbranche in einer prekären Lage und es wird nicht NLG sein, was die Reporter letztendlich um ihren Job bringt. Wenn es geschieht, wird es die mangelnde Bereitschaft sein, die Stärken der Technologie zu nutzen. Eine smarte Organisation sieht und verwendet NLG als ein Investment in ihre Reporter, nicht als deren Ersatz.

NLG deckt nicht nur aktuelle Trends auf und macht den Reporter auf diese Entwicklungen aufmerksam, sondern sorgt unmittelbar für eine abdeckende Berichterstattung. Der Reporter wiederum kann durch diesen Einsatz seine menschlich kreativen und investigativen Fähigkeiten nutzen, um den Stories mehr Tiefe und mehr Hintergrund zu geben.

 

Bleibt das Vertrauensproblem. 82 Prozent wissen nicht, ob oder glauben nicht, dass NLG vertrauenswürdig ist. Durchaus eine Angst, die wir verstehen. Jedoch sind automatisch generierte Inhalte genauso verlässlich, wie die Datensätze, auf denen sie beruhen. Und gute Daten – Daten, die von Experten analysiert und beurteilt sowie nach Fehlern untersucht wurden – sind akkurater als der Mensch. Menschen lügen, weichen aus oder versuchen ein schönes Bild zu zeichnen, wo keins ist. Daten nicht.

 

Letztendlich ergibt die Studie, dass 91 Prozent eine entsprechende Kennzeichnung von automatisch generierten Inhalten bevorzugen. Damit treffen Sie ganz unsere Meinung. Und wir machen sogar Vorschläge: Für „Gemeinschaftswerke“ von Mensch und Maschine würde sich folgendes anbieten: „Teile dieses Berichts wurden unter Verwendung von Retrescos automatischer Textgenerierung erstellt.“. Oder für Texte, die hundertprozentig aus der Feder von NLG entspringen: „Dieser Bericht wurde von Retrescos Software zur automatischen Textgenerierung erstellt.“

 

Wir glauben an Transparenz bei der Verwendung unserer Produkte, vor allem, wenn sie im Nachrichtenumfeld genutzt werden. Wir hoffen, dass die Menschen dadurch in den nächsten Jahren verstärkt Vertrauen aufbauen können. Denn wir wissen, dass unsere Technologie zuverlässig ist und wir möchten, dass andere das auch so sehen.

 

Über Retresco

Bereits seit 2008 entwickelt Retresco führende AI-Lösungen im Bereich Content Automation. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen zunehmend zu einem der weltweit führenden Anbieter in der automatischen Textgenerierung (NLG) entwickelt und dutzende Projekte für Kunden aus den Bereichen Medien, E-Commerce und Finanzdienstleistungen umgesetzt.