Wer von künst­li­cher Intel­li­genz spricht, der denkt meist ent­we­der an Indus­trie­lö­sun­gen wie eine kom­plett auto­ma­ti­sier­te Auto­mo­bil­pro­duk­ti­on durch Robo­ter­ar­me oder an nied­li­che Robo­ter-Wel­pen und -Andro­iden. Doch auch wenn sie süß anmu­ten und auf uns Men­schen eine gewis­se Sog­wir­kung haben, sind huma­no­i­de Robo­ter nicht wirk­lich das, wofür Künst­li­che Intel­li­genz im Kern steht. Zumin­dest ich fra­ge mich oft, war­um wir hüb­sche, mensch­ge­wor­de­ne Maschi­nen ent­wi­ckeln und uns nicht auf den wirk­li­chen Fort­schritt kon­zen­trie­ren.

 

CogX Hase

Gese­hen auf der CogX: Dafür steht KI zwar nicht nur, ist aber trotz­dem süß.

Zum Glück muss man sich nicht ganz allein den Kopf zer­bre­chen, um die­ser­lei Fra­gen auf den Grund zu gehen. Uns zog es des­halb ver­gan­ge­ne Woche ins Tobac­co Dock nach Lon­don, um die CogX zu besu­chen eine Mes­se und Kon­fe­renz zu allem, was die Welt grund­le­gend ver­än­dert: Künst­li­che Intel­li­genz, Block­chain-Tech­no­lo­gie und ‘Emer­ging Tech­no­lo­gies’Was führ­te Ret­res­co dahin? Eine gan­ze Men­ge: Wir woll­ten uns infor­mie­ren, aus­tau­schen, ver­bes­sern – und bei­de Kon­fe­renz­ta­ge auf Twit­ter in mehr als 200 Tweets fest­hal­ten.

 

Nur, wenn wir stän­dig umtrie­big, wiss­be­gie­rig und sta­te of the art blei­ben, kön­nen wir unse­ren Kun­den jeder­zeit moder­ne IT-Lösun­gen zur Con­tent Auto­ma­ti­on, wie die rtr tex­ten­gi­ne bie­ten. “Umtrie­big, wiss­be­gie­rig und sta­te of the art” — ja, das sind wir. Darf ich uns vor­stel­len? Wir, das sind Sebas­ti­an Marx und Tho­mas Rich­ter. Wäh­rend Sebas­ti­an der Spe­zia­list für unse­re Dienst­leis­tun­gen im Finan­ce-Bereich ist, bin ich als Fre­e­lan­cer Teil des Ret­res­co Con­tent-Teams. Wer etwas mehr Zeit hat, dem sei­en die You­Tube-Mit­schnit­te der CogX-Büh­nen zu emp­feh­len. Für alle ande­ren haben wir hier kurz und bün­dig ein paar High­lights notiert.

 

Long short-term memory

 

 
Jür­gen Schmid­hu­ber (gebo­ren in Mün­chen, heu­te wis­sen­schaft­li­cher Direk­tor des Schwei­zer AI-For­schungs­in­sti­tuts IDSIA) beginnt den Sta­te of AI-Slot mit den Wor­ten: “I want to get shot befo­re the Ger­man guy starts the speech. […] Unfor­tu­n­a­te­ly, it’s too late for you.” Doch nicht nur sein Humor berei­chert die Welt, vor allem sei­ne For­schung im Bereich ‘Long short-term Memo­ry’ (LSTM) aus den 1990ern hin­ter­lässt der Welt Blei­ben­des.

 

LSTN ist eine Vor­aus­set­zung für Deep Learning und Natu­ral Lan­guage Under­stan­ding – und damit eine Grund­la­ge von Siri, Ama­zon Echo und Co.

 

Verhindert menschgemachte Probleme

 

Joshua Gans ist Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­ty of Toron­to. Sei­ne Aus­sa­gen klin­gen wie ein Appell an AI-Kri­ti­ker, doch bit­te die posi­ti­ven Sei­ten zu sehen: “If you aug­ment peop­le and take away the rou­ti­nes and lea­ve the things that are hot… PEOPLE LIKE THEIR JOBS BETTER.” Mehr noch er betont, wel­chen mone­tä­ren Vor­teil Künst­li­che Intel­li­genz für Orga­ni­sa­tio­nen bringt: “Auto­ma­ting jobs will free up money for other things insi­de the com­pa­ny.”

 

 
Dr. Joan­na Bry­son lehrt an der Uni­ver­si­ty of Bath und in Prince­ton zu den The­men Natür­li­che und Künst­li­che Intel­li­genz sowie Ethik. Sie wer­tet AI durch­aus als eine wich­ti­ge Evo­lu­ti­ons­stu­fe: AI is prost­hetic intel­li­gence. Ever­y­thing gets smar­ter.”, sieht aber den­noch eine Gefahr dar­in, die­se unbe­dacht ein­zu­set­zen: “The­re may be no way to have human-shaped AI that doesn’t wind up being decep­ti­ve.” Im Video­in­ter­view bei Big Think spricht sie davon, war­um wir AI unbe­dingt regu­lä­ren müs­sen.”

 

 

 

 

 

Putting Ethics into Action

 

Kri­ti Shar­ma auf der CogX Lon­don

Das The­ma Ethics in AI war den Ver­an­stal­tern der CogX ein wich­ti­ges Anlie­gen. Des­halb haben sie dem The­ma gleich eine gan­ze Büh­ne gewid­met. Eine High­light-Spre­che­rin war Chat­bot-Exper­tin und AI Tech­no­lo­gist Kri­ti Shar­ma, Vice Pre­si­dent of Bots and AI bei der Sage Group. Sie wur­de 2017 in die For­bes 30 under 30-Lis­te auf­ge­nom­men. Im Slot Put­ting Ethics into action sprach sie über ethisch ver­ant­wor­tungs­vol­le KI und das The­ma AI-Fach­kräf­te.

 

 

 

Sie ist ein gutes Bei­spiel dafür, wie aus einer Lei­den­schaft ein Berufs­wunsch ent­steht: Ihren ers­ten Robo­ter bau­te sie sich schon als Teen­age­rin, um ihre Scho­ko-Lust zu stil­len. Der Robo­ter ser­vier­te ihr Sni­ckers. Doch abseits von lie­ben Scho­ko-Robo­tern kann AI Gefah­ren ber­gen. Kri­ti mahnt: “We all have to build pro­ducts that are non-decep­ti­ve.” Doch um über­haupt ethisch han­deln zu kön­nen und ethisch ver­ant­wort­li­che KI zu pro­gram­mie­ren, müs­sen erst­mal wir Men­schen struk­tu­rell dazu befä­higt wer­den, ethisch zu han­deln: You have to teach the machi­ne values. […] Peop­le might not have tools and struc­tures to think about ethics. […] And you have to design the algo­rithms that they are desi­gned the right way.” Das Ermit­teln von Wer­ten gehe näm­lich alle etwas an: “I miss the rep­re­sen­ta­ti­on of the Emer­ging Coun­tries in the field of ethics.”

Das Berufs­feld der Künst­li­chen Intel­li­genz wirkt auf Man­che uner­reich­bar, da es nach tech­ni­scher Exper­ti­se und abge­schlos­se­nem Infor­ma­tik­stu­di­um klingt. Aber Kri­ti Shar­ma gibt Ent­war­nung: Belie­ve me. Even if you are not having a degree in Com­pu­ter Sci­ence, you can be a huge bene­fit for the world of AI.So hät­ten KI-Jobs gera­de dank der Ethik-The­ma­tik auch vie­ler­lei Jobs für Geis­tes­wis­sen­schaft­ler. Wenn es um eine AI-Wei­ter­bil­dung geht, sei es ohne­hin nicht (nur) der klas­si­sche Bil­dungs­weg, der zum Erfolg führt: “You don’t have to fol­low tra­di­tio­nal ways of edu­ca­ti­on to get into AI. […] It is attrac­ting more crea­ti­ve peop­le.”

 

Voreingenommene Technologien und Anti-Harassment

 

Baro­ness Joan­na Shiel­ds, CEO von Ben­evo­len­tAI, spricht von unge­woll­ten Fol­gen von the­ma­ti­schen Fil­ter­bla­sen u.a in sozia­len Netz­wer­ken. Die­se Echo­kam­mern wür­den Mei­nun­gen von Min­der­hei­ten zu stark über­be­to­nen, sodass Hass im Netz damit ver­stärkt wür­de. Sie mahnt außer­dem, dass wir beim Ein­satz von Digi­tal­tech­no­lo­gie genau über­le­gen müss­ten, wel­che Zie­le wir damit ver­fol­gen: “Digi­tal tech­no­lo­gy gave us more about ever­y­thing […] and more is always […] bet­ter, right? […] We have to be care­ful what we opti­mi­ze for […] and how we keep power in check.” Tech­no­lo­gie sei näm­lich nicht per se bes­ser als die Mensch­heit: “Tech is not neu­tral, becau­se we as humans are not neu­tral.”

 

Dr. Julia Shaw

Anti-harass­ment: Talk To Spot
(Im Bild: Dr. Julia Shaw)

Dr. Julia Shaw, Mit­grün­de­rin von Spot, möch­te aber genau das: die Neu­tra­li­tät von Tech­no­lo­gie nut­zen, um sexu­el­le Beläs­ti­gung am Arbeits­platz ein­zu­däm­men. “A chat­bot won’t judge if you seem trut­h­ful or not.”, so Shaw. Mit die­sem Chat­bot kann man beläs­ti­gen­des Ver­hal­ten am Arbeits­platz doku­men­tie­ren und mel­den. Das Pro­blem sei näm­lich, dass man die vie­len klei­nen Atta­cken ver­ges­se, wenn man sie nicht doku­men­tiert.

 

 

Der Chat­bot baut die psy­cho­lo­gi­sche Bar­rie­re ab, mit einem Men­schen dar­über spre­chen zu müs­sen. “The goal is that we cele­bra­te the peop­le who come for­ward. […] It’s a socie­tal issue. Every per­son that’s around the haras­sed per­son has poten­ti­al­ly been a faci­li­ta­tor for bad beha­vi­or.”, fährt Shaw fort.

Abseits von den Büh­nen konn­ten wir Teil­neh­mer Stän­de von Indus­trie-Grö­ßen wie Goog­le, Han­son Robotics und Micro­soft besu­chen. The­ma­tisch beson­ders span­nend fand ich den Stand von Accen­ture, des­sen Pho­to Booth unter dem Mot­to ”AI muss Viel­falt ken­nen” stand. Dort soll­te man Fotos von sich machen in beson­ders unge­wöhn­li­chen Out­fits, die nicht den klas­si­schen Geschlech­ter­rol­len-Kli­schees ent­spre­chen. Das Ziel: der künst­li­chen Intel­li­genz bei­brin­gen, dass es auch weib­li­che Sol­da­tin­nen oder männ­li­ches Kran­ken­pfle­ge­per­so­nal gibt. Das Pro­blem an einer KI, die nur Bestehen­des fort­schreibt, ist, dass die­se auch Vor­ur­tei­le wie eine zah­len­mä­ßi­ge Unter­re­prä­sen­tanz bestimm­ter Geschlech­ter oder Eth­ni­en in bestimm­ten Beru­fen fort­schreibt. #Diver­si­ty lau­tet das Gebot.

 

Warum wir Ethik-Werte verankern müssen

 

 
Im Jahr 2018 Gebo­re­ne sind AI Nati­ves. Wir Älte­re soll­ten alles dafür geben, dass unse­re Kin­der in eine Welt gebo­ren wer­den, wo eine Künst­li­che Intel­li­genz gera­de in huma­nis­tisch-plu­ra­lis­ti­schen Wer­ten wie Tole­ranz, Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit und Welt­of­fen­heit nicht den Sta­tus Quo zemen­tiert, son­dern qua­si als Vor­bild vor­an­geht und uns Men­schen mensch­li­cher macht. Über unse­re Rol­le, Ver­ant­wor­tung und ethi­sche Wer­te in die Welt der Künst­li­chen Intel­li­genz zu imple­men­tie­ren, haben wir bereits in unse­rem Blog­ar­ti­kel: “Auto­ma­ti­sche Text­ge­ne­rie­rung ver­än­dert die Welt der Nach­rich­ten: Wel­che Ver­ant­wor­tung trägt Ret­res­co?” geschrie­ben. Kurz: um Bias und Fake News ein­zu­däm­men, prü­fen wir  unse­re Daten­pro­vi­der, mit denen wir zusam­men­ar­bei­ten, sehr genau.

 

 

Der Human Touch besteht weiterhin

 

Bei Ret­res­co agie­ren wir immer nach der Devi­se “Machi­ne Sca­le with a Human Touch”. Das heißt, dass wir nicht den Men­schen über­flüs­sig machen wol­len, son­dern Ska­lie­rung in auto­ma­ti­sier­ba­re Pro­zes­se brin­gen wol­len. So kann sich jeder um sei­ne Exper­ti­se küm­mern: Maschi­nen stäm­men die Mas­se und über­neh­men z.T. stu­pi­de Auf­ga­ben, wäh­rend sich Men­schen um die Text­per­len, das hoch­gra­dig Mensch­li­che küm­mern. Wir Men­schen wer­den trotz allen tech­ni­schen Fort­schritts auch durch AI nicht über­flüs­sig, denn um es mit den Wor­ten von Esther Dys­on zu sagen: “We are ana­lo­gue. We love our mother’s phe­ro­mo­nes. And that makes all the dif­fe­rence.”

 

 

 

 Thomas Richter Autor
Autor

Tho­mas Rich­ter,
mail.thomasrichter@gmail.com

 

 

 

Über Ret­res­co

Bereits seit 2008 ent­wi­ckelt Ret­res­co füh­ren­de AI-Lösun­gen im Bereich Con­tent Auto­ma­ti­on. In den letz­ten Jah­ren hat sich das Unter­neh­men zuneh­mend zu einem der welt­weit füh­ren­den Anbie­ter in der auto­ma­ti­schen Text­ge­ne­rie­rung (NLG) ent­wi­ckelt und dut­zen­de Pro­jek­te für Kun­den aus den Berei­chen Medi­en, E-Com­mer­ce und Finanz­dienst­leis­tun­gen umge­setzt.

 

 

 Lydia Herrmann
Ansprechpartner

Lydia Herr­mann,
Con­tent Mar­ke­ting Mana­ge­rin, Ret­res­co GmbH
+49 (0)30 555 781 999
lydia.herrmann@retresco.de

 

 

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