Der heu­ti­ge Jour­na­lis­mus steckt in einer tie­fen Kri­se. Fake News, Click­bait Arti­kel und ein Über­fluss an Ange­bo­ten haben das Ver­trau­en in Nach­rich­ten­sei­ten ero­diert. Vie­le Leser zei­gen kei­ne Bereit­schaft für Inhal­te im Netz zu zah­len und haben rei­hen­wei­se Adblo­cker instal­liert. Vie­le Her­aus­ge­ber wis­sen wei­ter­hin nicht, wie sie ein erfolg­rei­ches Geschäfts­mo­dell im Inter­net auf­bau­en.

 

So lau­tet das gän­gi­ge Urteil über die Jour­na­lis­mus­bran­che.

 

Doch wie steht es wirk­lich um unse­ren Nach­rich­ten­kon­sum? Gibt es auch posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen? Und vor allem: Wel­che Stra­te­gi­en kön­nen Her­aus­ge­ber ent­wi­ckeln, um sich in einem wan­deln­den und kon­kur­rie­ren­den Umfeld zu behaup­ten?

 

Das Reu­ters Insti­tut macht mit dem Digi­tal News Report eine jähr­li­che Bestands­auf­nah­me der welt­wei­ten Nach­rich­ten­land­schaft. Die Befra­gung von 70.000 Per­so­nen in 36 Län­dern gibt einen umfang­rei­chen Ein­blick dar­in, wie Kon­su­men­ten den heu­ti­gen Jour­na­lis­mus bewer­ten und zu wel­chen Medi­en ihre Auf­merk­sam­keit wan­dert.

 

Wir stel­len die aus unse­rer Sicht wich­tigs­ten Trends her­aus und geben Ide­en, wie Medi­en­häu­ser auf die­se reagie­ren kön­nen.

 

1. Ver­brei­tung von Messa­ging Apps

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­den immer mehr Nach­rich­ten über Soci­al Media gele­sen und geteilt. Die­ser Trend ist zum Hal­ten gekom­men — 2017 gab es kei­nen Anstieg im Nach­rich­ten­kon­sum über Sozia­le Netz­wer­ke. Grund dafür ist, dass wir mehr Zeit in Messa­ging Apps wie Whats­App und Face­book Mes­sen­ger ver­brin­gen. Die vier welt­weit größ­ten Messa­ging Apps haben seit letz­tem Jahr mehr akti­ve Nut­zer als die vier größ­ten Sozia­len Netz­wer­ke und sechs der zehn Apps mit den meis­ten Down­loads sind Chat Apps.

 

Use social media for news

 

Dies spie­gelt sich auch im Nach­rich­ten­kon­sum wider. Schon nahe­zu ein Vier­tel (23%) der Befrag­ten fin­den, tei­len und bespre­chen Arti­kel inner­halb von Messa­ging Apps. In die­sem Medi­um tei­len sie Nach­rich­ten pri­vat und ohne Scham und die­se wer­den anders als bei Sozia­len Medi­en nicht von Algo­rith­men gefil­tert.

 

Lan­ge hat­ten es Unter­neh­men schwer, die­sen Kanal für sich zu nut­zen, da Chat Apps kei­ne Fir­men­pro­fi­le oder Push-Nach­rich­ten erlaub­ten. Der Markt ist aber in Bewe­gung. Seit April 2016 pro­gram­mie­ren Fir­men eige­ne Chat­bots für Face­book Mes­sen­ger und auch Whats­App öff­net sich gegen­über Unter­neh­men.

 

Für Nach­rich­ten­sei­ten tut sich ein neu­er Kanal auf, den sie nicht unge­nutzt las­sen dür­fen. Anders als bei tra­di­tio­nel­len Arti­keln gehen sie hier einen direk­ten Dia­log mit ihren Nut­zern ein, ler­nen von ihnen und bin­den sie lang­fris­tig an sich.

 

Mög­li­che Anwen­dun­gen für den Jour­na­lis­mus rei­chen von per­so­na­li­sier­ten Arti­kel-Emp­feh­lun­gen zu aus­ge­reif­ten Nach­rich­ten-Chat­bots. Man stel­le sich einen Bot vor, der kom­ple­xe Zusam­men­hän­ge erklärt oder Updates zu einem gewünsch­ten The­ma sen­det. Noch gibt es weni­ge Nach­rich­ten-Funk­tio­nen inner­halb von Messa­ging Apps — eine gro­ße Chan­ce für Her­aus­ge­ber.

 

2. Zah­lungs­be­reit­schaft bei jun­gen Nut­zern

Im Jour­na­lis­mus ist nicht alles trüb. Der Digi­tal News Report zeigt: Jun­ge Nut­zer haben von allen Grup­pen die höchs­te Zah­lungs­be­reit­schaft für Nach­rich­ten. Im Alter von 25–34 Jah­ren zah­len fast 20% für redak­tio­nel­le Inhal­te und sogar über ein Drit­tel für Video-Ange­bo­te wie Net­flix.

 

Es ist also eine Zah­lungs­be­reit­schaft für digi­ta­le Inhal­te vor­han­den, was beson­ders in der Beliebt­heit von Anbie­tern wie Spo­ti­fy und Net­flix erkenn­bar ist. In Hin­sicht auf Bezahl­mo­del­le für Nach­rich­ten gilt: Her­aus­ge­ber müs­sen die Hür­de für eine Bezah­lung so klein wie mög­lich hal­ten und gleich­zei­tig neue Mehr­wer­te schaf­fen, um ein Abon­ne­ment loh­nens­wert zu machen. Ers­te Erfol­ge von inno­va­ti­ven Ansät­zen wie Micro-Payments, frei­schalt­ba­ren Pre­mi­um-Inhal­ten oder gebün­del­ten Maga­zin-Flat­rates zei­gen, dass man auch im Inter­net erfolg­reich Nach­rich­ten publi­zie­ren kann.

 

paying for news

Eine wei­te­re posi­ti­ve Mel­dung ist, dass sich Adblo­cker nicht wei­ter ver­brei­ten. Auf Desk­tops sta­gnie­ren sie bei kon­stant 21%, auf Smart­pho­nes haben nur 7% der Nut­zer einen Adblo­cker instal­liert. Dies zeigt, dass Ein­nah­men durch Wer­be­an­zei­gen nicht wei­ter gefähr­tet sein soll­ten.

 

3. Nach­rich­ten über den Sprach­as­sis­ten­ten

Sprach­ge­steu­er­te Assis­ten­ten wie Ama­zon Echo wer­den zu einer neu­en Platt­form für den Kon­sum von Nach­rich­ten. In den USA besit­zen schon vier Pro­zent der Befrag­ten sol­che Gerä­te — die Hälf­te davon nutzt sie um über Nach­rich­ten auf dem Lau­fen­den gehal­ten zu wer­den. “Smart Assi­stants” ste­hen noch am Anfang, doch mit ver­stärk­ter Ver­brei­tung wer­den sie frü­her oder spä­ter auch den Smart­pho­ne und Radio­markt zer­rüt­ten.

 

CNN und BBC sind ers­te Medi­en­häu­ser, die sich in die­sen Markt wagen. Bei­de haben “Skills” ent­wi­ckelt, die Zusam­men­fas­sun­gen für das Wet­ter und Nach­rich­ten geben. Schon bald wer­den vie­le Haus­hal­te die Fuß­ball­ergeb­nis­se oder Akti­en­trends über ihren Assis­ten­ten erhal­ten.

 

Bei der Pro­gram­mie­rung des Assis­ten­ten ist es eine gro­ße Her­aus­for­de­rung, die aktu­ell rele­van­ten Infor­ma­tio­nen in der rich­ti­gen Län­ge zu lie­fern. Nach­rich­ten­sei­ten gene­rie­ren täg­lich ein immenses Volu­men an Arti­keln und Daten­punk­ten. Wie kann der Algo­rith­mus ent­schei­den, wel­che davon für den Kun­den von Inter­es­se sind?

 

Um das bes­te Nut­zer­er­leb­nis bei einem Assis­ten­ten zu schaf­fen, ist es daher essen­ti­ell, die eige­nen Daten gut zu struk­tu­rie­ren. Nur durch die Ana­ly­se aller eige­ner Arti­kel erge­ben sich ver­steck­te Zusam­men­hän­ge und für den Nut­zer rele­van­te The­men­schwer­punk­te. Ein The­men Manage­ment Sys­tem (TMS) hilft dabei, die eige­nen Daten zu struk­tu­rie­ren und im nächs­ten Schritt die pas­sen­den Inhal­te für den Zuhö­rer zu kura­tie­ren.

 

Der Reu­ters Digi­tal News Report zeigt, dass sich unser Nach­rich­ten­kon­sum in einem rasan­ten Tem­po ver­än­dert. Zwar steht die Jour­na­lis­mus­bran­che wei­ter­hin vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen, doch es tun sich vie­le neue Chan­cen auf. Fir­men­pro­fi­le auf Messa­ging Apps und sprach­ge­steu­er­te Assis­ten­ten eröff­nen neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge mit denen Unter­neh­men einen direk­ten Dia­log mit ihren Kun­den füh­ren. Es wer­den die­je­ni­gen erfolg­reich sein, die krea­tiv expe­ri­men­tie­ren und inno­va­ti­ve Pro­duk­te für Medi­en ent­wi­ckeln, auf denen sich Nut­zer heu­te und in der Zukunft auf­hal­ten.