Je besser wir Diktatur begreifen, um so besser können wir Demokratie gestalten.“ Diese Worte des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn sind hoch aktuell. Roland Jahn ließ seinen Worten Taten folgen. 2014 beauftragte seine Behörde die Retresco GmbH mit der semantischen Erschließung einer Auswahl der Dokumenten-Bestände in seinem Archiv. Das Ergebnis lässt sich seit dem 8. Januar 2015 unter www.stasi-mediathek.de besichtigen. Technischer Kern des Projektes Stasi-Mediathek ist die semantische Volltextsuche von Retresco.

 

Was für ein Archiv! Mehr als 111 Kilo­me­ter Akten – Ord­ner-Rücken neben Ord­ner-Rücken gemes­sen. Dazu über 1,7 Mil­lio­nen Fotos sowie zehn­tau­sen­de Stun­den Film- und Ton­ma­te­ri­al aus den Über­wa­chungs-Maß­nah­men der DDR-Staats­si­cher­heit. Es ist einer der größ­ten Archiv­be­stän­de in Deutsch­land. Und jetzt wer­den Aus­schnit­te mit Hil­fe von Ret­res­co der brei­ten Öffent­lich­keit zugäng­lich gemacht – genau 25 Jah­re nach­dem erst­mals muti­ge Demons­tran­ten in die Ber­li­ner Sta­si-Zen­tra­le ein­dran­gen.

 
Ein hoch ambi­tio­nier­tes ver­le­ge­ri­sches Pro­jekt

Auf www.stasi-mediathek.de ste­hen 2.500 Doku­men­ten­sei­ten, 250 Ein­zel­bil­der, sechs Stun­den Ton­auf­zeich­nun­gen und 15 Stun­den Fil­me online zur Aus­wahl. Die­ses Ange­bot wird ste­tig erwei­tert. Ein gesell­schaft­lich hoch rele­van­tes und tech­no­lo­gisch hoch ambi­tio­nier­tes mul­ti­me­dia­les ver­le­ge­ri­sches Pro­jekt — poli­ti­sches Bil­dungs­me­di­um für jun­ge und erwach­se­ne Staats­bür­ger und his­to­ri­sche Fach­in­for­ma­ti­on für Exper­ten unter einer Ober­flä­che.

Den Ein­stieg in das Web-Ange­bot ermög­licht die Such­funk­ti­on: in eine Such­mas­ke ein­ge­ge­be­ne Stich­wör­ter füh­ren zu den Doku­men­ten und allen ein­zel­nen Inhal­ten. Auch Vide­os und Audio-Datei­en sowie Beschrei­bun­gen der Fotos sind im Voll­text durch­such­bar. Über einen Zeit­strahl las­sen sich Inhal­te intui­tiv fin­den: Er zeigt auf, aus wel­chen Zeit­räu­men Doku­men­te zu bestimm­ten The­men online zur Ver­fü­gung ste­hen. Alle Such­me­tho­den sind belie­big kom­bi­nier­bar.

 

Bewähr­te lin­gu­is­tisch-seman­ti­sche Algo­rith­men

Die Spe­zia­lis­ten von Ret­res­co wen­den ihre in zahl­rei­chen Pro­jek­ten bewähr­ten lin­gu­is­tisch-seman­ti­schen Algo­rith­men an, um jedem Archiv­stück auto­ma­tisch bedeut­sa­me Schlag­wor­te wie „Todes­stra­fe“ oder „Repu­blik­flucht“ zuzu­ord­nen. Enti­tä­ten wie Per­so­nen, Orga­ni­sa­tio­nen, Ereig­nis­se und Orte spie­len eine wei­te­re Schlüs­sel­rol­le. Die­se und ande­re seman­ti­sche Mar­kie­run­gen gehen mit allen ihren Syn­ony­men und gram­ma­ti­schen For­men in den Suchin­dex ein. So ver­knüp­fen sie die Doku­men­te im Con­tent Manage­ment Sys­tem.

Anwen­der kön­nen die­se Ver­knüp­fun­gen nut­zen, indem sie ihrer Intui­ti­on fol­gend durch die seman­tisch ver­netz­ten Daten navi­gie­ren. Aber auch für die geziel­te Suche kön­nen Leser die Anrei­che­run­gen nut­zen: eine „Auto-Vervollständigen“-Funktion schlägt in Abhän­gig­keit von der jeweils aktu­el­len Doku­men­ten-Aus­wahl nur die rele­van­ten Schlag­wor­te und Enti­tä­ten vor. Ret­res­co-Tech­no­lo­gie berech­net die vor­ge­schla­ge­nen Begrif­fe jeweils dyna­misch aus den nach der Fil­te­rung ver­blie­be­nen Doku­men­ten.

 

Redak­ti­ons-Sys­tem spart Zeit

Den Redak­teu­ren der Behör­de stellt Ret­res­co ein Sys­tem zur Anpas­sung des Anrei­che­rungs-Pro­zes­ses zur Ver­fü­gung. Damit kön­nen sie die seman­ti­schen Anrei­che­run­gen für jedes Doku­ment über­prü­fen und bei Bedarf kor­ri­gie­ren. Gleich­zei­tig kön­nen sie das Begriffs-Netz­werk erwei­tern und neue Zuord­nun­gen schaf­fen. So ver­bes­sert sich lau­fend die auto­ma­ti­sche seman­ti­sche Anrei­che­rung. Beson­ders wich­tig ist aber die Erwei­te­rung des Fach­vo­ka­bu­lars beim Ver­ar­bei­ten der Sta­si-spe­zi­fi­schen Fach­spra­che. Dadurch spa­ren die Redak­teu­re Zeit im wei­te­ren Ver­lauf der Bestands-Erschlie­ßung.

Eine Meis­ter­leis­tung,“ beur­teil­te spon­tan der Bun­des­be­auf­trag­te Roland Jahn das Gesamt­er­geb­nis. Zu dem über­wäl­ti­gen­den Ein­druck trägt die inter­ak­ti­ve Nut­zer­ober­flä­che im „Respon­si­ve Design“ bei. Ret­res­co-Part­ner­fir­ma und Sub­un­ter­neh­me­rin 3pc GmbH hat die­se gestal­tet und umge­setzt. Die Anpas­sung der Ober­flä­che und Bedien­ele­men­te an End­ge­rä­te unter­schied­lichs­ter Grö­ße ermög­licht ein­drucks­vol­les und manch­mal beklem­men­des „Seman­tic Sto­ry­tel­ling“ auf allen Gerä­te-Platt­for­men. Die Ange­bo­te rei­chen vom Stö­bern und Ent­de­cken auf Smart­pho­ne und Tablet bis zur geziel­ten Recher­che am Desk­top-PC.

 

Ret­res­co-Tech­no­lo­gie begeis­tert Auf­trag­ge­ber und Öffent­lich­keit

Nicht nur der Auf­trag­ge­ber ist begeis­tert – auch die Öffent­lich­keit urteilt posi­tiv über das neue „Schau­fens­ter in das Sta­si-Archiv”, wie Roland Jahn es nennt. Zahl­lo­se Twit­ter-Bot­schaf­ten ver­brei­te­ten gleich am ers­ten Tag den Link zur Sta­si-Media­thek. Aus den USA kam die Ein­schät­zung „the coo­lest thing ever“. Die Ber­li­ner Mor­gen­post fin­det es „für alle Alters­grup­pen ein span­nen­des Ange­bot“, mdrIN­FO „eine loh­nen­de Zeit­rei­se“. Die „Behör­de des Bun­des­be­auf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik“ – so ihr offi­zi­el­ler Titel – wünscht sich, dass vie­le Bür­ger sich auf die­se Zeit­rei­se auf­ma­chen.

Für Ret­res­co ein wun­der­ba­res Pro­jekt, in das sie ihre füh­ren­den Tech­no­lo­gi­en im Bereich der auto­ma­ti­schen Ver­schlag­wor­tung, Ver­lin­kung und seman­ti­schen Suche ein­brach­te. Dadurch ver­bes­ser­te sie die Zugäng­lich­keit der Doku­men­te und das Nut­zungs­er­leb­nis ent­schei­dend. „Der spe­zi­fi­sche Sta­si-Jar­gon war zunächst eine Her­aus­for­de­rung, dar­an muss­ten unse­re Ver­fah­ren ange­passt wer­den. Das ist gelun­gen. Das Ergeb­nis ist aus unse­rer Sicht ein beson­ders schö­nes Zusam­men­spiel aus Tech­no­lo­gie, Design und span­nen­den Inhal­ten.“ So Ret­res­co-Pro­jekt­lei­ter Wolf Wink­ler.

Bild-Quel­le: www.stasi-mediathek.de