Künstliche Intelligenz Zitate

HOW TO AI: Super-KI oder Riesenhype?

In der Debatte um Künstliche Intelligenz werden verschiedenste Stimmen laut – von Lobpreisung bis Warnung ist alles mit dabei. Aber wo ist auch etwas Wahres dran? Wir nehmen die bekanntesten Zitate unter die Lupe.

„AI is the new electricity. Just as electricity transformed almost everything 100 years ago, today I actually have a hard time thinking of an industry that I don’t think AI will transform in the next several years.” – Andrew Ng, Informatiker und KI-Forscher.

Eigentlich ein schönes Bild: Künstliche Intelligenz als neuer Antrieb, der – wie die Elektrizität es tat – alle Bereiche des Lebens auf ein neues Level hebt und auf verschiedenste Weisen bereichert.

Es gibt aber auch andere Stimmen, oft angesehener Wissenschaftler und großer Unternehmer, welche vor der dieser neuen Elektrizität warnen. So beispielsweise der Physiker Stephen Hawking (“I fear that AI may replace humans altogether. If people design computer viruses, someone will design AI that replicates itself. This will be a new form of life that will outperform humans.”), Microsoft-Gründer Bill Gates („I am in the camp that is concerned about super intelligence.“) oder Tesla-Gründer Elon Musk („AI is more dangerous than nuclear weapons.“).

Gerade Einschätzungen aus diesen Mündern sollte man doch Glauben schenken können – oder nicht?

 

Die Angst vor der Superintelligenz

Ja und nein; auf den Kontext kommt es an. Natürlich verbreiten weder Hawkings noch Gates Unwahrheiten, es ist aber wichtig, auf Wortlaut und Hintergründe zu achten. So sagt Hawkings nämlich noch im gleichen Satz, dass wir die Entwicklung von KI definitiv weiter vorantreiben müssen. Und auch Elon Musk spricht sich nicht gegen die Entwicklung von KI aus, sondern für die Schaffung von Rahmenbedingungen für eine kontrollierte Entwicklung.

Die Betonung liegt bei beiden außerdem auf dem Begriff der Superintelligenz. Wie realitätsfern diese derzeit ist, wird in den Beiträgen dann meist nicht erwähnt. Momentan scheitert die Wissenschaft noch daran, Künstliche Intelligenz zu entwickeln, die sich auf mehr als eine Sache gleichzeitig konzentrieren kann, von der Übernahme durch Maschinen sind wir also noch ein gutes Stück entfernt.

Denn KI ist nicht gleich KI. Und aktuelle KI-Anwendungen dürfen nicht mit Superintelligenz gleichgesetzt werden. Die an dieser Stelle sehr relevante Unterscheidung zwischer schwacher, starker und Super-KI haben wir darum hier vorgenommen.

 

Mensch oder Maschine – wer war zuerst da?

Verlagern wir das Problem nicht außerdem an die falsche Stelle, indem wir diese Ängste auf die Künstlichen Intelligenzen projizieren? Wir geben der KI damit einen eigenen Handlungswillen, ein Bewusstsein, eine Meinung. Aber KI kommt nicht von ungefähr, entwickelt sich auch nicht von selbst – Künstliche Intelligenz wirkt hier vielleicht nur als Verstärker und Beschleuniger der Fragestellungen, mit denen sich unsere Gesellschaft sowieso auseinanderzusetzen hat.

„Maschinen sind lediglich neutrale Werkzeuge, zu Waffen oder Heilmitteln werden sie von uns Menschen gemacht.“ so Holger Volland in seinem Buch Die kreative Macht der Maschinen. Auch Wirtschaftsjournalist Thomas Ramge fasst zusammen: „Bis auf weiteres müssen wir uns nicht vor Künstlicher Intelligenz fürchten, sondern vor Menschen, die sie missbrauchen.“

Das eigentlich gefährliche sind doch nicht auf KI-basierende Anwendungen, sondern was die Menschen daraus machen. Und damit ist nicht die Erfindung der KI per se gefährlich. Auch in der Erfindung von Computer und Internet liegen große Gefahren durch Missbrauch, beispielsweise in Form von Viren, Hackerangriffen und Cyberattacken. Es liegt in der Natur vieler Dinge, dass es mindestens zwei Seiten der Betrachtung gibt. Computer sind nicht gut oder schlecht, das Internet ist nicht gut oder schlecht, Social Media ist nicht gut oder schlecht – und genauso wenig ist Künstliche Intelligenz gut oder schlecht. Es eine Sache der Perspektive, ob ich den beschützenden, verteidigenden oder angreifenden Aspekt von etwas sehen möchte – existent sind sie vermutlich alle.

Was KI laut Musk also gefährlicher macht als Nuklearwaffen ist die derzeitige Unklarheit, also das Fehlen von Richtlinien und Regulierungen. Dass ethische Fragestellungen diskutiert und ein solcher Rahmen und unabhängige Organe geschaffen werden müssen, ist absolut richtig. Erneut gilt: Die KI-Entwicklung ist nicht aufhaltbar, aber gestaltbar.

 

Vor lauter Morgen das Heute nicht vergessen

Ein sehr wichtiger Gedanke kommt in diesem Zusammenhang außerdem von KI-Forscher Richard Socher: “Die aktuelle Debatte um die Auswirkungen der KI wirken gelegentlich, als hätte man 1969, als das Internet erfunden wurde, versucht, über die Ethik des Mediums zu diskutieren. Keiner der Experten damals hatte vorhergesehen, dass wir Probleme mit Social-Media-Kampagnen haben werden oder heute die Gefahr von Onlinepropaganda diskutieren. Ähnlich ist das, wenn wir uns derzeit schon Sorgen über eine Über-KI machen, statt über reale Probleme zu reden.

Und: auch Experten täuschen sich mal. „Ich denke, es gibt vielleicht einen Weltmarkt für fünf Computer“, hier es 1943 von IBMs Thomas Watson. Bill Gates hielt das Internet 1993 für “nur einen Hype”. Und auch 2001 prognostizierte Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx noch: “Das Internet wird kein Massenmedium.” Das Phänomenen lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen: „Mitte der achtziger Jahre wird es den ersten bemannten Flug zum Mars geben“, war sich Nuklearstratege und Futurologe Herman Kahn in den Sechzigern sicher. Und es gibt zahlreiche, weitere Beispiele.

Was bedeutet das für uns? Das Potential neuer Erfindungen und Technologien lässt sich – auch von Experten – nicht einfach so vorhersagen. Diverse Faktoren spielen eine Rolle; ein ganz maßgeblicher Aspekt ist die Akzeptanz der Gesellschaft. Eine Technologie kann noch so fortschrittlich sein, wenn die Individuen sich bei der Nutzung nicht wohlfühlen, wird sie sich nicht verbreiten. Und gerade Experten, die sich tagein tagaus mit ebendieser Technologie befassen, mögen wahrscheinlich eher zu einer verzerrten, überschätzte Wahrnehmung hinreißen lassen.

Bevor man sich verschiedene Zukunftsszenarien ausmalt, von denen letzten Endes möglicherweise keins eintritt, und damit die Entwicklungen bremst, sollte man den Fokus doch auf das “Heute” legen. Entwicklung und Regulierung müssen Hand in Hand gehen, das eine kann und darf ohne das andere nicht passieren.

 

Künstliche Intelligenz als Chance

Künstliche Intelligenz sollte nicht als Gefahr oder als Ersatz, sondern als Erweiterung gesehen werden. Das Zusammenspiel Mensch-Maschine funktioniert am besten, wenn jedem Part die Ausübung seiner Stärken ermöglicht werden. Damit kommt man sich weder in die Quere, noch wird ein Teil überflüssig. Denn:

Künstliche Intelligenz kann uns das Denken nicht abnehmen.“ (Thomas Ramge) und „Computer und Roboter können weder die Pflege regeln, noch Armut mildern, noch den Verkehr entstauen. Dazu brauchen wir intelligentere soziale, humane Systeme.“ (Matthias Horx)

Und natürlich sind es nicht nur komplizierten und anspruchsvollen Dinge, die uns Menschen vorbehalten bleiben, sondern auch das Empfinden und Erleben des Schönen bei vollem Bewusstsein. Abschließend darum die Worte von Joseph Weizenbaum, Informatiker, Wissenschafts- und Gesellschaftskritiker und Entwickler des Computergramms ELIZA; des ersten Chatbots, der damals einen Meilenstein der KI bedeutete:

„Es gibt mit anderen Worten Dinge, die Menschen nur deshalb wissen, weil sie einen Körper haben. Kein Organismus, der keinen menschlichen Körper besitzt, kann diese Dinge in der gleichen Weise wissen wie der Mensch.“ (Computermacht und Gesellschaft)

Noch gibt es viele Fragen ohne Antworten, kein richtig oder falsch und auch keine Glaskugel, die uns die Zukunft vorhersagt. Diese Unsicherheiten und fehlende Erklärungen lassen uns viele Aussagen falsch einordnen oder missverstehen. Was wir dagegen tun können? Aktiv mitgestalten, Richtlinien fordern und dabei helfen, die Ängste der breiten Öffentlichkeit durch Aufklärung zu relativieren.

 

 

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