Künstliche Intelligenz: Arbeit neu denken

Künstliche Intelligenz & Automatisierung: Arbeit neu denken

Unsere Arbeitswelt wandelt sich. Bereits seit einigen Jahren erleben wir, wie Künstliche Intelligenz, Algorithmen und Robotersysteme nicht nur unseren privaten Alltag, sondern auch Arbeitsprozesse verändern: Ärztinnen und Ärzte werden bei der Auswertung von Röntgenbildern durch Algorithmen unterstützt, Robotersysteme in der Pflege eingesetzt und Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Recherche von KI-Systemen beraten. Die Folge: Persönliche Routinen, aber auch Organisationsstrukturen brechen auf, Mitarbeiter und Unternehmen müssen Arbeit neu denken.

Im historischen Rückblick betrachtet, hat sich die Arbeitswelt schon immer verändert: Seit jeher bedingen Erfindungen und technologische Fortschritte – allen voran seit der Industrialisierung –, dass Maschinen die Menschen in ihrer Arbeit unterstützen. Langfristig führte dies zu einer höheren Produktivität, zu mehr Wohlstand und Arbeitsplätzen und somit zu einem steigenden Gemeinwohl in der Gesellschaft.

So wie die industrielle Revolution vor 200 Jahren, ist nun die digitale Revolution im Begriff, einen disruptiven Wandel der Arbeitswelt hervorzurufen. Welche Dimensionen die Veränderungen haben werden, ist für den individuellen Mitarbeiter jedoch häufig schwer einschätzbar.

 

Künstliche Intelligenz & Arbeit – ein brisantes Thema

 

Die Verunsicherung führt zu gemischten Gefühlen: Während einige Menschen durchaus die positiven Effekte der digitalen Arbeitswelt sehen, vermuten andere die negativen Auswirkungen und im schlimmsten Falle sogar den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Die Folge: Eine polarisierte und emotionale aufgeladene Debatte.

Die Brisanz dieser Diskussionen verwundert kaum, denn Arbeit ist nicht nur reiner Broterwerb, sondern für viele Personen auch ein identitäts- und sinnstiftender Lebensbereich. Verschiedenste Fragen stehen im Raum: Welche Chancen und welche Risiken entstehen mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt? In welchem Verhältnis sollen Maschine und Mensch zueinanderstehen? Führen die neuesten Entwicklungen für den Menschen zu mehr Freiheit und Autonomie im Arbeitsprozess? Oder ist Gegenteiliges der Fall? Und nicht zuletzt: Wie wollen wir eigentlich arbeiten und leben?

 

Faktencheck: Gefährdet KI Arbeitsplätze?

 

Zahlreiche Fragen, zahlreiche Unsicherheiten bestehen – doch welchen Einfluss auf die Arbeitswelt werden Automatisierung und Künstliche Intelligenz überhaupt haben? Zeit für einen Faktencheck: Alleine in der ersten Jahreshälfte 2019 wurden zahlreiche Studien veröffentlicht. Besondere Aufmerksamkeit zog die OECD-Studie „Beschäftigungsausblick 2019“ auf sich. Das Ergebnis:In den 36 OECD-Mitgliedsstaaten drohen 14 Prozent aller Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren durch Automatisierung ersetzt zu werden. Besonders betroffen sei der Industriestandort Deutschland: Fast jeder fünfte Job sei bedroht.

Ein entscheidendes Element ergänzt jedoch eine Studie des Weltwirtschaftsforums: Zwar sollen bis 2025 weltweit rund 75 Millionen Jobs wegfallen, zeitgleich entstehen jedoch rund 133 Millionen neue – eine Zahl, die ein anderes Licht auf die Debatte wirft. Der Vorwurf, dass Künstliche Intelligenz und Automatisierung Arbeitsplätze vernichte, ist somit nicht haltbar. Wenn sich also die Frage weniger darum dreht, ob KI und Automatisierung Arbeitsplätze vernichten wird, so lautet die viel wichtigere Frage: Wie können KI und Mensch optimal zusammenarbeiten?

 

Die Zukunft der Arbeit: Zwischen Automatisierung und Sinnstiftung

 

Gerade im Bereich der Knowledge Workers ist eine besonders differenzierte Betrachtung notwendig. So kommen arbeitspsychologische Studien zu dem Ergebnis, dass Arbeitnehmer ihre Tätigkeit in zwei verschiedene Bereiche kategorisieren: Während die Kernarbeit vorwiegend intellektuelle und kreative Tätigkeiten abdeckt, gehören zur sogenannten peripheren Arbeit häufig mühsame oder monotone Tätigkeiten (z.B. das Organisieren von Meetings), die eigentlich nicht zum zentralen Tätigkeitsfeld eines Arbeitnehmers gehören. Bei Letzteren wären Mitarbeiter bevorzugt dazu bereit und sogar erleichtert, diese an eine Künstliche Intelligenz abgeben zu können. Kreative oder intellektuelle Arbeiten dagegen sollten jedoch präferiert im Tätigkeitsgebiet des Menschen verbleiben.

Wie könnte die Zusammenarbeit zwischen KI und Arbeitnehmern folglich optimal gestaltet werden? “The key is to create a system in which the end user still provides the intellectual spark”, sagt Amy Lokey, VP of User Experience bei Google und spielt damit auf eine wichtige Tatsache an: KI kann dabei helfen, den Arbeitsalltag humaner und angenehmer zu gestalten, wenn repetitive, monotone und häufig lästige Tasks automatisiert werden. Auf diese Weise verbleiben mehr Zeit und Raum für jene Tätigkeiten, die kreative und/oder emotionale Intelligenz erfordern und für den Menschen sinnstiftende Wirkung entfalten.

 

Mit lebenslangem Lernen bereit für KI

 

Wenn Künstliche Intelligenz die Arbeit von morgen grundlegend verändern wird, dann kommt der Bildung – von der Aus- bis hin zur Fort- und Weiterbildung – eine besondere Rolle zu. Arbeitnehmer sollten frühzeitig adäquate Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, die sie auf veränderte oder neue Jobprofile vorbereiten.

Das setzt jedoch nicht nur ein wirtschaftliches und politisches, sondern auch ein soziokulturelles Umdenken voraus. Eine Kultur des lebenslangen Lernens kann Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen dabei unterstützen, die Vorteile von KI-Anwendungen in der Arbeitswelt optimal zu nutzen.

 

Zoom in: KI im Journalismus

 

Ein gutes Beispiel für eine Berufsgruppe, die durch KI unterstützt, aber keinesfalls ersetzt wird, ist der Journalismus. Hier können Natural Language Generation-Programme schneller und umfangreicher als jeder Mensch Texte aus datenbasierten Informationen generieren.

Schon heute erstellen Algorithmen im Bereich der Sport-, Finanz- und Wetterberichterstattung automatisch fertige Texte, über die Journalistinnen und Journalisten nie schreiben würden – sei es aus Kostengründen, weil die Arbeit zu monoton, oder weil die Zielgruppe zu klein wäre. Man denke beispielsweise an die unteren Fußball-Ligen, kleinere olympische Sportarten oder lokale Wetterberichte in Echtzeit. NLG-System decken somit Bereiche ab, die durch Journalistinnen und Journalisten nicht hätten bearbeitet werden können.

Das Erzählen von Geschichten mit Kreativität, Empathie und Ironie, das Schreiben von pointierten Kommentaren und scharfsinnigen Analysen bleibt nach wie vor die Kernkompetenz der Menschen – und gehört wohl nebenbei bemerkt auch zu den bevorzugten Tätigkeiten der Journalistinnen und Journalisten.

Die Zukunft des sogenannten Roboterjournalismus besteht keinesfalls darin, den menschlichen Journalisten zu ersetzen, sondern ihn zu unterstützen, um ihnen Zeit und Raum für wichtige und sinnstiftenden Tätigkeiten zu geben. Während Technik ungeliebte Routinetätigkeiten (das Transkribieren von Interviews, das Formatieren oder SEO-Optimieren von Artikeln) übernimmt, können sich Journalistinnen und Journalisten ihrer eigentlichen Kernarbeit widmen. Ein solches kybernetisches (ergo: nicht ersetzendes) Zusammenspiel von KI und maschinellen Prozessen auf der einen, und menschlicher Kreativität und Kompetenz auf der anderen Seite, kann auf diese Weise das journalistische Angebot für Leserinnen und Lesern verbessern und den Arbeitsalltag von Journalistinnen und Journalisten angenehmer gestalten. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

 

Über Retresco

2008 in Berlin gegründet, hat sich Retresco als eines der führenden Unternehmen in der Automatisierung von Content etabliert. Retresco entwickelt auf Künstlicher Intelligenz basierende Lösungen aus den Bereichen Natural Language Generation (NLG) und Natural Language Understanding (NLU). Anwendungen wie die Self-Service-Plattform textengine.io, Inhaltsklassifikationen oder Enterprise Chatbots unterstützen Unternehmen dabei, Prozesse zu automatisieren, Kommunikation effektiver zu gestalten und neue Zielgruppen zu erreichen.