Auto­ma­tisch gene­rier­te Fuß­ball­be­rich­te und mehr auf den ver.di-Medientagen 2017 in Ber­lin

Die ver.di-Medientage stan­den die­ses Jahr in Ber­lin Wann­see unter dem Mot­to: „Medi­en, Men­schen, Maschi­nen – wo bleibt die Moral?“. Enga­gier­te Dis­kus­sio­nen rund um das The­ma Digi­ta­li­sie­rung in unse­rer Gesell­schaft, ihr Sta­tus Quo und wie die Zukunft der Gesell­schaft und vor allem auch des Jour­na­lis­mus aus­se­hen könn­ten, folg­ten ver­schie­de­nen Exper­ten-Vor­trä­gen.

 

rtr tex­ten­gi­ne

Ein The­men­block wid­me­te sich auto­ma­tisch gene­rier­ten Fuß­ball­be­rich­ten. Alex­an­der Sie­bert berich­te­te über sei­ne ganz per­sön­li­che Pra­xis­er­fah­rung als Com­pu­ter­lin­gu­ist und Geschäfts­füh­rer von Ret­res­co. Das 2008 gegrün­de­te Unter­neh­men hat eine Tech­no­lo­gie in-hou­se ent­wi­ckelt, die rtr tex­ten­gi­ne, die auf Basis der vor­lie­gen­den Daten u.a. Fuß­ball­be­rich­te auto­ma­tisch in Mil­li­se­kun­den gene­riert. Und das für alle Ligen, von Kreis- bis Bun­des­li­ga für alle Spie­le. Die Berich­te erzie­len eine grö­ße­re Reich­wei­te und stei­gern somit auch das User Enga­ge­ment. Die Klick­ra­ten auf auto­ma­tisch gene­rier­te Tex­te sind genau­so groß wie auf jour­na­lis­ti­sche Tex­te und die Qua­li­tät ist laut Umfra­gen von jour­na­lis­ti­schen Tex­ten kaum noch zu unter­schei­den.

Der Trend im All­ge­mei­nen aber geht von der Mas­sen- hin zur indi­vi­dua­li­sier­ten und gefil­ter­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on: mor­gens Nach­rich­ten lesen, nach­mit­tags Soci­al Media und am Wochen­en­de sind dann lan­ge Tex­te dran. Die Inhal­te müs­sen sich dem Nut­zungs­ver­hal­ten ent­spre­chend anpas­sen. Das ist Vor­aus­set­zung für eine erfolg­rei­che Umset­zung.

 

Krea­ti­vi­tät sichert Arbeits­plät­ze

Was bedeu­tet Robo­ter­jour­na­lis­mus für die Arbeits­plät­ze? Mit Hin­weis auf eine Pro­gno­se­rech­nung zum Job­ver­lust beru­hig­te Sie­bert: Danach betra­ge die Wahr­schein­lich­keit bei Redak­ti­ons­stel­len nur 5,5 Pro­zent. Robo­ter sei­en zwar fähig, infor­mie­ren­de Berich­te zu schrei­ben, aber ein­ord­nen­de Arti­kel und krea­ti­ve Gen­res wie Kom­men­ta­re oder Glos­sen könn­ten nicht auto­ma­ti­siert wer­den. Ein Jour­na­list hat mehr Auf­ga­ben, als Daten zusam­men­zu­schrei­ben, oder einen les­ba­ren Text aus Daten zu machen. Er muss Zusam­men­hän­ge her­stel­len, er muss sagen, war­um die­se Daten über­haupt rele­vant sind. Auch wenn intel­li­gen­te Soft­ware einen Jour­na­lis­ten ent­las­ten kann, wird sie ihn nicht erset­zen. Die emo­tio­na­le Ebe­ne, die Intui­ti­on und die damit ver­bun­de­ne Sub­jek­ti­vi­tät kön­nen von Robo­tern nicht dar­ge­stellt wer­den.

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