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AI made in Europe? Fünf Thesen zum Aufbau eines europäischen KI-Ökosystems

Die EU-Kommission hat heute gleich zwei bedeutsame Veröffentlichungen vorgelegt: Neben der Europäischen Datenstrategie – die erste Datenstrategie, über die Europa je verfügte – wurde auch das sogenannte KI-Weißbuch als Regulierungsrahmen vorgestellt, in dem ethische und gesellschaftliche Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz adressiert werden. Dass beide Publikationen zeitgleich publiziert werden, ist kein Zufall; auf globaler Ebene konnte ein klares politisches Signal gesetzt werden: Die Entwicklung und Anwendung von KI in Europa sei – natürlicherweise – erstens ohne Daten, zweitens jedoch auch ohne präzise ethische Regeln und Werte undenkbar. Die Veröffentlichung der Datenstrategie und des Weißbuchs verdeutlichen vor allem auch auf weltpolitischer Ebene, dass ethische Themen wie Vertrauen, Akzeptanz und Transparenz den zeitgenössischen KI-Diskurs signifikant mitgestalten. Die Frage, was Künstliche Intelligenz kann, ist somit mindestens ebenso wichtig, wie die Frage, was sie überhaupt darf.

Als erfahrenes KI-Unternehmen bewegt sich Retresco im Spannungsfeld zwischen Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft und ist sich dabei stets auch den ethischen Implikationen des unternehmerischen Handels bewusst. Die heutigen Fortschritte in puncto Datenpolitik und KI-Regulierung stellen diesbezüglich einen willkommenen Rahmen dar. Alexander Siebert und Johannes Sommer, CEOs von Retresco, kommentieren: „Ein florierendes KI-Ökosystem in Europa kann nur ein Ökosystem des Vertrauens sein. Dies hat die Europäische Kommission heute deutlich klar gemacht. Sie signalisieren, dass eine europäische KI einerseits natürlich nicht ohne funktionierende Dateninfrastruktur, andererseits nicht ohne ethisches Framework gedacht werden kann. Zeitgleich sollte jedoch darauf geachtet werden, dass Fördermaßnahmen auf EU-Ebene immer mit jeweiligen nationalen Strategien harmonisiert werden und skalierbar ineinander greifen – nur eine ganzheitlich integrierte Daten – & KI-Förderlandschaft in Europa wird ihre volle Wirksamkeit entfalten können. Und genau hier liegt ein Schwachpunkt in den Vorhaben der EU-Kommission: Die Aussage „AI made in Europe“ oder „Marktführerschaft in KI-Technologie“ an sich ist weder Zielvorgabe noch übergreifende Vision, weil der Facettenreichtum von KI-Anwendungen viel zu breit gefächert ist. Was wollen wir sein? Marktführer in autonomer Fahrzeugtechnologie? Healthcare? Internet of Things? Oder wäre es sogar sinnvoll, dass einzelne Staaten jeweils einen spezifischen KI-Schwerpunkt wählen? – Nur mit Fokus und konkreten Maßnahmen wird es Europa schaffen, eine wirkungsvolle KI-Strategie zu etablieren.“

Die folgenden Thesen bzw. Handlungsempfehlungen zu einer „AI made in Europe“ sollen diesbezüglich einen möglichen Ansatzpunkt darstellen, wie die Entwicklung und Implementierung von KI-Technologien in Europa nachhaltig forciert werden kann.

1. KI als Schlüsseltechnologie

Künstliche Intelligenz ist keine neue Technologie unter vielen anderen; sie ist eine Schlüsseltechnologie. Als solche verändert sie die Art und Weise, wie wir arbeiten, wirtschaften und als Gesellschaft zusammenleben grundlegend. Diese Entwicklungen werden sich in Zukunft noch verstärken. Auf Makroebene betrachtet, wird Künstliche Intelligenz den ökonomischen und gesamtgesellschaftlichen Fortschritt maßgeblich prägen. Die nun von der EU-Kommission angekündigten KI-Investitionen in Höhe von 20 Milliarden Euro pro Jahr erscheinen in diesem Zusammenhang viel zu gering. Zum Vergleich: Amazon alleine investierte im vergangenen Jahr 2019 insgesamt 35,9 Milliarden Dollar in Forschung & Entwicklung.

2. Ethische Werte als Leitmotiv

Fairness, Transparenz, Sicherheit, Inklusion und Verantwortlichkeit sind ethische Aspekte, die unabdingbar sind, wenn es um den Aufbau einer vertrauenswürdigen und menschenzentrierten KI geht. Auf diese Weise kann das volle Potenzial von Künstlicher Intelligenz ausgeschöpft und die Brücke zwischen Technik, Wirtschaft und Gesellschaft geschlagen werden.

3. Multilaterale Förderung

Zur Stärkung des europäischen KI-Ökosystems sollte – insbesondere im US-amerikanischen oder chinesischen Vergleich – die anwendungsnahe Forschung & Entwicklung von KI-Technologien gezielter gefördert werden. Hierbei ist jedoch ein multiperspektivisches Vorgehen wünschenswert: Hochschulen und Wirtschaft sollten beispielsweise in Form von KI-Hubs und Reallaboren stärker miteinander verzahnt arbeiten können. Zudem sollte die Dateninfrastruktur durch eine fundierte Datenstrategie substanziell verbessert werden und die soziokulturelle Akzeptanz von KI durch gezielte Bildungsmaßnahmen gesteigert werden. Multilaterale Förderung sollte jedoch auch bedeuten, dass einzelne nationale KI-Strategien integrativ ineinandergreifen, sodass eine ganzheitlich harmonisierte KI-Förderlandschaft in Europa Wirksamkeit entfaltet.

4. Mehr Experimentierfreude

Ein Mentalitätswechsel erscheint unerlässlich. In Bezug auf die praxisnahe Anwendung von Künstlicher Intelligenz brauchen wir mehr Abenteuerlust, mehr Mut zum Risiko und mehr Freude am Experimentieren. Vor allem jedoch benötigen wir eine positive Fehlerkultur, die es erlaubt, aus Fehlern zu lernen, ohne dass ad hoc eine umfassende Regulierung erforderlich ist.

5. Gesamtgesellschaftliche Akzeptanz forcieren

In öffentlichen KI-Diskursen sollte vermieden werden, einseitig nur die Chancen oder nur die Risiken von KI zu betonen. Vielmehr sollte ein transparenter gesellschaftlicher Diskurs etabliert werden, der kontextuelle Grauzonen zulässt und offen thematisiert. Eine öffentliche Aufklärung mit einem sachlich-objektiven Grundton ist unabdingbar, um die gesellschaftliche Akzeptanz von KI zu erhöhen.

 

Als Schlüsseltechnologie wird Künstliche Intelligenz nicht nur Geschäftsprozesse, sondern auch den volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt signifikant prägen. Wirtschaftliche Potenziale spielen dabei eine ebenso große Rolle, wie gesellschaftliche Verantwortung und ethische Herausforderungen. Umso wichtiger erscheint daher eine multilaterale Zusammenarbeit von Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – nur gemeinsam können KI-Anwendungen nach gemeinwohlorientierten Standards gestaltet und der technologische Fortschritt nachhaltig forciert werden.

 

 

Über Retresco | @retresco

Bereits seit 2008 entwickelt Retresco führende KI-Lösungen im Bereich Content Automation. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen zunehmend zu einem der weltweit führenden Anbieter in der automatischen Textgenerierung (Natural Language Generation) entwickelt und dutzende Projekte für Kunden aus den Bereichen Medien, E-Commerce und Finanzdienstleistungen umgesetzt.